Ärzte Zeitung, 08.04.2008

Chronische Pankreatitis - beste Therapie erfolgt interdisziplinär

Plädoyer für frühe Op bei erfolgloser ERCP und Verdacht auf Pankreaskopftumor

LUDWIGSHAFEN (sir). Bei der Entscheidung zwischen Operation und ERCP zur Therapie bei chronischen Pankreatitiden durch Stenosen im Pankreasgang gibt es kein Patentrezept. Einig sind sich Experten vor allem darüber, dass individuell und vor allem interdisziplinär zwischen Gastroenterologen und Chirurgen entschieden werden sollte. Für eine Op sprechen etwa eine erfolglose ERCP und der Verdacht auf einen Pankreaskopftumor.

 Chronische Pankreatitis - beste Therapie erfolgt interdisziplinär

Vergrößerter Pankreaskopf bei chronischer Pankreatitis im Ultraschall (zwischen den Markern). In der Umgebung sind Leber (L), Niere (N), Gallenblase (GB), Vena cava inferior (VCI), Aorta (AO) und Dünndarm (DD) sichtbar.

Foto: Prof. Christoph F. Dietrich

Vorteile einer Operation belegen etwa zwei kleine Studien mit 140 und 39 Patienten. In der ersten Arbeit waren die Methoden hinsichtlich der initialen Erfolgsrate gleichwertig. Langfristig wurden jedoch durch eine chirurgische Drainage oder Resektion 37 Prozent der Patienten schmerzfrei. Durch eine endoskopische Stentversorgung oder Steinextraktion waren es nur 14 Prozent.

Nach Op werden mehr Patienten schmerzfrei

In der zweiten Studie wurden 75 Prozent der chirurgisch drainierten Patienten nach durchschnittlich drei Interventionen schmerzfrei, berichtet Professor Jens Werner aus Heidelberg. Von den durchschnittlich achtmal mit endoskopischer Drainage Behandelten wurden nur 32 Prozent ihre Schmerzen los, so Werner beim "Rhein-Neckar-Forum für Gastroenterologie und Hepatologie" in Ludwigshafen.

Häufig bringt jedoch auch eine alleinige endoskopische Intervention Erfolg: So erhielten 61 Patienten mit chronischer Pankreatitis (CP) und Gallengangsstenose alle drei Monate per ERCP einen neuen Stent. Danach waren 59 Prozent der Patienten ohne Kalzifizierung auch ein Jahr später noch schmerzfrei. Von den Patienten mit Kalzifizierungen waren es nur knapp 8 Prozent, so Werner bei einer vom Unternehmen Dr. Falk Pharma unterstützten Veranstaltung. Im Nachhinein mussten aber 49 Prozent der Patienten doch noch operiert werden.

In einer anderen Studie waren 1018 Patienten mit CP und mit Strikturen, Steinen oder beidem eingeschlossen: 60 Prozent davon wurden per ERCP erfolgreich behandelt. Dennoch hat auch diese Studie belegt, dass 24 Prozent der Patienten sekundär operiert werden mussten. Dabei gab es - im Gegensatz zur vorher genannten Studie - keinen Unterschied zwischen Patienten mit und Patienten ohne Steine.

Teamarbeit zwischen Chirurgen und Gastroenterologen

"Diese Ergebnisse unterstreichen, dass an der Schnittstelle von Gastroenterologie und Chirurgie Teamarbeit notwendig ist und individuelle Entscheidungen getroffen werden müssen", betonte Werner. Eine frühe Operation sei vor allem bei Verdacht auf einen malignen Pankreastumor angezeigt und bei Patienten, denen die weniger invasive endoskopische Therapie nicht geholfen hat.

STICHWORT

Optionen bei chronischer Pankreatitis

Bei den meisten chronischen Pankreatitiden ist ein entzündlicher Pankreaskopftumor die Ursache. Aber auch Gangstenosen durch narbige Strikturen, oder Steine können Schmerzen und Ikterus verursachen.

Ziel einer Operation bei chronischer Pankreatitis ist die Resektion des entzündlich vergrößerten Pankreaskopfes. Dabei werden Stenosen gleich mit entfernt, das Duodenum bleibt meist erhalten. Nur etwa zehn Prozent der Patienten mit chronischer Pankreatitis haben keinen Tumor, sondern lediglich eine Engstellung der Gänge. Sie können mittels chirurgischer Pankreatikojejunostomie drainiert werden.

Bei Stenosen der Gallen- und

Pankreasgänge gibt es viele endoskopische Optionen: Aufweitung, Papillotomie und eventuell Einsatz von Stents, Steinextraktion oder Drainage.

(sir)

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