Ärzte Zeitung, 20.11.2008

Kommentar

Gesetze gelten auch für Krankenkassen

Von Bülent Erdogan

Von Zeit zu Zeit packt den Leiter der Abteilung Krankenversicherung im Bundesgesundheitsministerium, Franz Knieps, mit Blick auf die Kassen der kalte Zorn: "Eigentlich brauchen Gesetze im Gesundheitswesen eine Präambel: ,Dieses Gesetz gilt wirklich - das ist nicht nur ein Vorschlag‘", sagt er dann.

Der ehemalige Geschäftsführer Politik des AOK-Bundesverbandes kennt die Verhinderungstaktiken der Kassen bestens. Die funktionieren offenbar auch im Fall der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV).

Seit April 2007 haben schwerstkranke und sterbende Menschen eigentlich einen Rechtsanspruch auf einen würdevollen Tod in den eigenen vier Wänden, seit vergangenem August sind endlich alle Voraussetzungen für Verhandlungen der Kassen mit Leistungserbringern gegeben.

Bis zu 80 000 totkranke Menschen jährlich könnten mit einer funktionierenden ärztlichen, pflegerischen und psychosozialen Betreuung daheim statt in der Klinik oder im Hospiz sterben. Geschehen ist indes bislang nichts, die Kassen stehen weiter auf der Bremse - und sparen mit jedem Monat bares Geld. Dass Patienten ihren SAPV-Rechtsanspruch auf einen würdevollen Tod sogar einklagen müssen, ist ein Skandal. Noch einmal: Gesetze gelten auch für Kassen!

Lesen Sie dazu auch:
Palliativmedizin weiter in der Warteschleife

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »