Ärzte Zeitung, 09.09.2009

Renaissance von Salsalat als Antidiabetikum?

Von Simone Reisdorf

Ein Schmerzmittel wird derzeit bei Patienten mit Typ-2-Diabetes geprüft.

NEW ORLEANS. Das frühere Schmerzmittel Salsalat könnte als Antidiabetikum eine Renaissance erleben. "Salsalat ist ein Dimer der Salicylsäure", rief Professor Allison Goldfine aus Boston in den USA in Erinnerung. "Es hat keine Acetylgruppe und wirkt nicht auf COX-1 oder COX-2, sondern in hoher Dosis auf NF-kappa-B." Diese Wirkung wurde schon seit den 20er Jahren bei Rheumatoider Arthritis und Rheumatischem Fieber genutzt. Das Nutzen-Risiko-Profil hat auf Dauer nicht überzeugt; 2003 wurde Salsalat in Deutschland vom Markt genommen.

Andererseits wird seit langem ein Zusammenhang zwischen Adipositas, Typ-2-Diabetes und chronischer subklinischer Entzündung gesehen. In diese Prozesse ist vermutlich auch NF-kappa-B involviert, was einen Angriffspunkt für Salsalat bietet.

In der multizentrischen, placebokontrollierten US-Studie TINSAL*-T2D wurde Salsalat bei 108 Typ-2- Diabetikern geprüft, die bislang weder Glitazone noch Exenatid oder Insulin erhielten. Mit 3,0 oder 3,5 oder 4,0 g/d Salsalat wurde in der 14-wöchigen Studie der HbA1c-Wert signifikant verbessert. Zudem zeigten sich positive Einflüsse auf Nüchternblutzucker, Fettstoffwechsel, Adiponektin und C-Peptid. Die CRP-Werte blieben unverändert. Es gab einen leichten, nicht signifikanten Anstieg des Blutdrucks. Die Nierenfunktionswerte waren widersprüchlich. Leber, Elektrolyte und Schilddrüsenfunktion blieben unbeeinflusst, und es gab keine schweren unerwünschten gastrointestinalen Wirkungen, besonders keine Blutungen. Die Patienten waren mit der Therapie zufrieden.

Obwohl die Effekte von Salsalat nicht immer dosiskonform waren, wurde mit 3,5 g/d eine geeignete Dosis für die Phase-II-Studie ermittelt. TINSAL-T2D-Phase-II läuft derzeit in den USA. Um alle Sicherheitsaspekte ausreichend zu berücksichtigen, wurde die ursprünglich für 26 Wochen konzipierte Studie auf 52 Wochen ausgedehnt. Zugleich läuft die Patientenaufnahme für die 30-monatige TINSAL-CVD-Studie, in der es um den Einfluss von Salsalat versus Lebensstil-Intervention versus Placebo auf das Volumen koronarer Plaques bei KHK geht. Die TINSAL-Studien werden von den US-Gesundheitsbehörden mitfinanziert.

*TINSAL = Targeting INflammation using SALsalate

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Auch mit Kind zügig möglich"

Eine Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »