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Ärzte Zeitung, 27.06.2012

Sportler stecken Schmerzen besser weg

Wer regelmäßig Sport treibt, kann Schmerzen leichter verkraften. Das zeigt eine Analyse von 15 Studien mit 900 Teilnehmern. Doch es kommt auch darauf an, welche Sportart betrieben wird, so die Wissenschaftler.

Sportler stecken Schmerzen besser weg

Eine Schramme - nicht so schlimm: Sportler entwickeln Coping-Strategien gegen den Schmerz.

© Ilike / Fotolia.com

HEIDELBERG (BS). Dass Sport einen analgetischen Effekt hat, ist schon länger bekannt. Für einen begrenzten Zeitraum unmittelbar nach einer intensiven körperlichen Belastung ist die Schmerzwahrnehmung herabgesetzt.

Heidelberger Wissenschaftler um Dr. Jonas Tesarz wollten nun herausfinden, ob die Schmerzempfindung durch sportliche Betätigung auch langfristig beeinflusst wird.

Dazu haben sie alle Studien ausgewertet, in denen die Wirkung eines Schmerzreizes bei Sportlern und Nichtsportlern in Ruhe verglichen wurde (Pain 2012; 153: 1253).

Für die Analyse konnten sie die Daten aus 15 internationalen Studien heranziehen, an denen 568 Sportler und 331 normal aktive Kontrollpersonen teilgenommen hatten. Als Sportler galt, wer jede Woche mindestens drei Stunden trainierte, egal in welcher Sportart.

Das Ergebnis: Die Sportler konnten Schmerzen signifikant besser ertragen. Die höchste Schmerztoleranz hatten dabei Ballsportler, gefolgt von Ausdauersportlern.

Andere Einstellung zum Schmerz

Kraftsportler dagegen waren nicht schmerztoleranter als normal aktive Personen, allerdings lag hierzu auch nur eine Studie vor.

In Bezug auf die Schmerzschwelle waren die Daten sehr heterogen. Wenn qualitativ schlechtere Studien ausgeschlossen wurden, hatte Sport keinen Einfluss darauf, ab welcher Intensität ein Reiz als schmerzhaft empfunden wurde.

"Die Ergebnisse zeigen, dass Sportler Schmerz ebenso spüren wie normal aktive Menschen. Aber ihre Einstellung zum Schmerz ist eine andere, sie empfinden ihn weniger dominant", erklärte Tesarz bei einer Pressekonferenz.

Laut Tesarz geht man davon aus, dass die Schmerztoleranz durch psychologische und psychosoziale Faktoren moduliert werden kann.

Sportler seien häufig unangenehmen sensorischen Wahrnehmungen ausgesetzt und daher gezwungen, wirksame Coping-Strategien für den Schmerz zu entwickeln.

In der Größenordnung sei die Wirkung von regelmäßigem Training auf die Schmerztoleranz "vergleichbar mit der eines gängigen Schmerzmittels", so Tesarz.

Die Erkenntnis, dass die Wahrnehmung von Schmerzen durch Sport beeinflusst werden kann, wecke Hoffnung für Patienten mit chronischen Schmerzen.

Quelle: www.springermedizin.de

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