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Ärzte Zeitung online, 02.09.2013

Mit Musik geht's leichter

Zugang ohne Schmerz und Tränen

Neue Töne in der ZNA: Eine Mischung aus Klassik, irischen Songs, Beat und Pop könnte die Aufregung von Kindern beim Legen eines intravenösen Zugangs dämpfen - womöglich sogar effektiver als gute Worte allein.

Zugang ohne Schmerz und Tränen

Zugang: Musik macht den Piks angenehmer.

© Stephanie Eckgold / fotolia.com

ALBERTA. Etwas Musik, während der Arzt einen intravenösen Zugang legt, kann die Aufregung bei ängstlichen Kindern verringern und sie vom Schmerz des Einstichs ablenken.

Offenbar werden auch die behandelnden Ärzte von dieser Entspannung erfasst: Zugänge unter musikalischer Begleitung gingen leichter von der Hand und saßen besser.

Man kann Kindern eine Geschichte erzählen, sie eine Denksportaufgabe lösen lassen, ihnen einen Film zeigen oder sie tief ein- und ausatmen lassen - es gibt vielgestaltige Versuche, um Angst und Schmerz während medizinischer Prozeduren zu verringern. Kanadische Pädiater haben es mit Musik versucht.

In einer randomisierten Studie untersuchten die Wissenschaftler der University of Alberta den Einfluss von Musik auf Kinder zwischen drei und elf Jahren, denen in der Notaufnahme ein intravenöser Zugang gelegt wurde (JAMA Pediatr. 2013; online 15. Juli).

Ihr Grad an Angst und Aufregung (Observational Scale of Behavioral Distress-Revised, OSBD-R) vor, während und nach der Prozedur wurde mit dem von Probanden einer Standardgruppe verglichen.

Sekundäre Endpunkte der Studie waren die subjektive Schmerzstärke (Face Pain Scale-Revised von 0-10), die Herzfrequenz, die Zufriedenheit der Eltern und der medizinischen Versorger, die Durchführbarkeit der Prozedur sowie die Ängstlichkeit der Eltern (State Train Anxiety Inventory, STAI).

Die jeweils 21 Kinder beider Gruppen erhielten eine topische Anästhesie sowie beruhigende Worte und Erklärungen zu dem, was mit ihnen geschah.

In der Musikgruppe wurden zusätzlich während der Prozedur in gleicher Lautstärke und Reihenfolge die von einem Musiktherapeuten ausgewählte Stücke gespielt (The Planets Op. 32 Jupiter, Storms in Africa, Disco Beat und Sunny Days).

Vorteil für die Ängstlichen

Nachdem jeweils fünf Kinder, die sich durch die medizinische Prozedur in ihrem Wohlbefinden nicht beirren ließen, aus der Analyse ausgeschlossen worden waren, zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen den beiden Versuchsgruppen.

Während unter Standardbehandlung der Stress-Score der Kinder in der Zeit vor bis unmittelbar nach der Prozedur um 2,2 anstieg, erhöhte sich dieser in der beschallten Gruppe um durchschnittlich 1,1.

Auch die empfundene Schmerzstärke war signifikant unterschiedlich. In der Standardgruppe stieg der Schmerz-Score um durchschnittlich 2 Punkte an, in der Musikgruppe blieb er dagegen auch unmittelbar nach Legen des Zugangs unverändert.

Auf die Herzfrequenz sowie die Besorgnis und Zufriedenheit der Eltern hatte die Musik keinen relevanten Einfluss.

Auch die behandelnden Ärzte profitierten offenbar von der musikalischen Untermalung. Bei 76% der Probanden der Musikgruppe fiel das Legen des intravenösen Zugangs sehr leicht, während dies nur für 38% der Gruppe mit Standardversorgung angegeben wurde.

Zudem saß die unter Musikbegleitung geschobene Nadel bei 86% optimal, in der Standardgruppe waren nur 48% der Ärzte mit dem Ergebnis ihrer Arbeit vollkommen zufrieden. (St)

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