Fibromyalgie

Muskelinjektionen reduzieren den Schmerz

Die Druck- und Hitzeüberempfindlichkeit bei Fibromyalgie kann, einer US-Studie zufolge, durch Lidocain-Injektionen reduziert werden. Das klinische Schmerzempfinden verbessert sich mit Kochsalz allerdings ebenso wie mit Lidocain.

Veröffentlicht:

GAINESVILLE/USA. Intramuskuläre Injektionen von Lidocain oder Kochsalz können die Beschwerden von Patienten mit Fibromyalgie lindern.

Während Lidocain und Kochsalz das klinische Schmerzempfinden ähnlich effektiv reduzieren konnten, zeigte sich bei der mechanischen und thermischen Hyperalgesie in einer US-Studie eine signifikante Überlegenheit für Lidocain (European Journal of Pain 2013; online 5. November).

Patienten mit Fibromyalgie berichten über einen chronischen Schmerz in der Tiefe von Muskeln und Gewebe. In einer doppelblinden kontrollierten Studie haben Roland Staud und Kollegen von der University of Florida versucht, die abnormalen Schmerzimpulse durch I.m.-Injektionen von Lidocain zu blockieren.

Hierzu wurden 62 Fibromyalgiepatientinnen von durchschnittlich 46 Jahren entweder 100 oder 200 mg Lidocain oder Kochsalzlösung sowohl in den Musculus trapezius als auch in den Gesäßmuskel beidseitig verabreicht.

Gemessen wurden die Schmerzstärke sowie Intensität der Druck- und Hitzehyperalgesie nach experimentellem Schmerzreiz direkt vor und 30 Minuten nach der Injektion. Analgetika waren vor der Untersuchung abgesetzt worden.

Höhere Reizschwellen nach Lidocaininjektion

In der Schulter reduzierte sich die Druckschmerzhaftigkeit sowohl nach Kochsalz- als auch nach Lidocaininjektion in beiden Konzentrationen. Allerdings zeigte sich bei Lidocain ein signifikant stärkerer Effekt.

Am unteren Rücken konnte die mechanische Überempfindlichkeit nur durch Lidocain reduziert werden. In Armen und Beinen waren keine Unterschiede beim Druckschmerz erkennbar.

Allerdings hatten an den Extremitäten sowohl Lidocain als auch Kochsalz einen Effekt auf die thermische Reizschwelle. Ein signifikanter Unterschied zwischen Lidocain und Kochsalz zeigte sich aber nur für die Arme.

Das allgemeine klinische Schmerzempfinden verringerte sich nach der Injektion unter allen drei Versuchsbedingungen um etwa 38 Prozent. Zwischen Lidocain und Kochsalz waren keine signifikanten Unterschiede erkennbar.

Periphere Schmerzimpulse sind notwendig

Da sich die mechanische und thermische Überempfindlichkeit nur an bestimmten Körperstellen verringerte, so die Autoren, ruft die Lidocaininjektion offenbar nur lokale Reaktionen hervor. Die Effekte stützen ihrer Ansicht nach die Annahme, dass periphere Schmerzimpulse notwendig sind, um bei Patienten mit Fibromyalgie die Hyperalgesie aufrechtzuerhalten.

Aber auch wenn die Studiendaten die überlegenen Effekte von Lidocain nur bei der Hitze- und Druckschmerzhaftigkeit erkennen lassen, halten es die Autoren für möglich, dass dies auch für das klinischen Schmerzempfinden zutrifft.

Sie spekulieren, dass ein Vorteil gegenüber Kochsalz hier möglicherweise durch Überlagerungen mit bestimmten Faktoren nicht in Erscheinung trat.

Immerhin hat die Analyse gezeigt, dass placebovermittelte Aspekte wie etwa die Erwartungen der Patienten hinsichtlich der Schmerzreduktion rund 20 Prozent der Abweichungen beim klinischen Schmerzempfinden nach Injektion ausmachen. (St)

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