Ärzte Zeitung, 10.02.2005

KLINISCHE ANATOMIE

Das Gehirn steuert Muskeln - aber umgekehrt geht es auch!

Ein spannendes Therapie-Konzept etwa bei Konzentrationsmängeln oder Migräne stellt Dr. Kurt Mosetter aus Konstanz vor: Hirnnerven wie der Trigeminus steuern Kopfmuskeln. Also kann man über Muskeln auch Nerven und Hirn beeinflussen.

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"Psychische Ereignisse wie Streß oder Angst hinterlassen Spuren im Körper." Über die Psyche werden biochemische und via Nerven auch körperliche Vorgänge wie Muskelverspannungen ausgelöst. Das ist jedoch keine Einbahnstraße. Davon ist Mosetter überzeugt. Deshalb ist es auch möglich, über Muskeln Nerven zu stimulieren und das Gehirn zu beeinflussen. Diesen Therapie-Ansatz und seine Basis stellt Mosetter in seinem Vortrag vor. Zunächst kann man sich fragen: Klinische Anatomie, was ist das? "Wie emotionale Dauerbelastungen im Körper Gestalt annehmen" - was soll das? Doch Mosetters Vortrag fußt auf schulmedizinischer Basis, nämlich der Anatomie des Menschen.

Was Mosetter tut, ist das vorklinische Fach Anatomie in die Praxis zu transformieren und in Zusammenhang mit bekannten und akzeptierten physiologischen Vorgängen zu stellen. Seine Schlußfolgerungen sind bemerkenswert, und seine Erfahrungen, diese Erkenntnisse als Therapie-Option umzusetzen, sind es ebenfalls.

Ein Beispiel dafür ist der fünfte Hirnnerv, der Trigeminus. Dieser steuert die Kaumuskulatur. Gleichzeitig ist dieser Nerv als "Streßdirektor bei Migräne" bekannt. Früher dachte man, bei Migräne reizt etwa die Vasodilatation den Trigeminus. "Heute weiß man, erst steht der Trigeminus unter Strom, dann kommt die Migräne", so Mosetter.

Daraus folgt Mosetters Therapie-Ansätze, die er ausführlich - auch für andere Hirnnerven - im Vortrag erläutert: Wenn man sich im Alltag durchbeißen muß, zu kauen hat, gerät über die motorische Reizung des Trigeminus auch seine sensorische Qualität aus den Fugen. Das bedeutet aber auch: Durch konsequente Lockerungsübungen der Kaumuskulatur und Berührungsreize kann der Nerv wieder beruhigt werden. So sollen Dysbalancen wieder ins Gleichgewicht kommen. (gwa)

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