Ärzte Zeitung, 06.07.2005

"Migräne ist so schmerzhaft wie eine Geburt"

Kollegin berichtet über eigene Erfahrungen / "Das Wichtigste ist, die Medikamente bei den ersten Migräne-Symptomen zu nehmen"

ROM (grue). Migräne kann höllisch weh tun. Und weil Betroffene den Schmerz so gut kennen, haben sie Angst vor jeder neuen Attacke. Wie die Kollegin Dr. Anne Christine Poole, die eine Klinik in Oslo leitet.

Poole muß werktags früh raus. Daß ihr Wecker mitunter schon um fünf Uhr morgens schrillt, hat allerdings andere Gründe. "Ich prüfe dann, ob eine Migräneattacke im Anmarsch ist und nehme notfalls meine Medikamente", so die Ärztin.

Poole ist seit 30 Jahren migränekrank und hat viel eigene Erfahrung. Sie setzt sich als Leiterin der Osloer Kopfschmerz-Klinik bei Fernseh-Interviews und Presseterminen für Betroffene ein. So nahm sie auch an einem von MSD unterstützten Expertentreffen in Rom teil, wo eine Deklaration verabschiedet wurde, um die Versorgung von Migräne-Patienten zu verbessern.

"Zwei Sachen sind schlimm bei der Migräne: Der Schmerz und die Angst davor", erläuterte Poole. "Der Schmerz ist schwer zu beschreiben, etwa so wie bei einer Geburt". Und, für Männer besser nachvollziehbar: "Es ist, als wenn eine Bombe im Kopf explodiert". An solchen Tagen kann Poole nicht in die Klinik und liegt im abgedunkelten Zimmer, will sich nicht rühren, nicht angesprochen werden.

Ihre Tochter hat so einen Tag auf Video festgehalten, das Poole bei der Veranstaltung zeigte. "Manchmal geht es mir zwanzig Stunden lang schlecht, oft kommt ja eine Attacke aus heiterem Himmel, und ich muß alle Termine absagen". Die aktive Ärztin haßt diese Zwangspausen, vor allem wegen der Schmerzen, aber auch wegen der Hilflosigkeit, die damit verbunden ist.

Im Lauf der Jahre hat sie ausgefeilte Strategien entwickelt, um Attacken vorzubeugen oder abzukürzen. "Das Wichtigste ist, daß die Medikamente schon bei den ersten Migräne-Symptomen genommen werden - bei einer Attacke mit Aura allerdings erst, wenn diese vorüber ist". Poole verläßt sich auf die prompte Wirkung von Triptanen, "welche dieser Substanzen am besten wirkt, muß jeder Patient für sich herausfinden".

Wo immer möglich, versucht sie auslösende Faktoren zu meiden, gönnt sich zwischenzeitlich Ruhepausen, übt sich im Streßabbau. Mittlerweile könne sie mit ihrer Krankheit ganz gut umgehen. "Ich empfehle allen Betroffenen, sich ebenfalls aktiv mit der Migräne auseinander zu setzen und auch Hilfe zu suchen".

Migräne habe eine Lebenszeit-Prävalenz von bis zu 18 Prozent bei Frauen und bis zu sieben Prozent bei Männern, "es muß also viele geben, denen es ähnlich geht wie mir". Daß sich dennoch nur etwa 30 Prozent der Migräne-Kranken an einen Arzt wenden, ist ihr unverständlich, "es gibt doch moderne Therapien, die wirklich helfen!"

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