Ärzte Zeitung, 04.11.2005

Schmerztagebuch bei Migräne liefert Kollegen Fakten

Patienten notieren, wann verordnete Therapie wirkt

BREMEN (sko). Mit ein paar einfachen Maßnahmen läßt sich die oft zeitraubende Beratung von Migräne-Patienten, bei denen die Therapie nicht gewirkt hat, effektiver gestalten. Dazu gehört, daß Patienten, ein Schmerztagebuch führen. Außerdem sollte man Patienten fragen, ob sie bei Attacken auch eine Allodynie haben. Solche Mißempfindungen an Kopf- oder Gesichtshaut bei Migräne haben Einfluß auf die Therapie.

Die nächsten Stunden sind wohl gelaufen: Patientin mit Migräneattacke. Foto: MigräneLiga

Bei Migräne-Patienten ist das Gespräch zur ersten Akutmedikation meist unkompliziert und nach Erklärung des Wirkmechanismus und der möglichen unerwünschten Effekte des verordneten Medikamentes rasch beendet.

Anders ist es häufig bei dem zweiten Besuch der Patienten, wie Dr. Astrid Gendolla, Oberärztin an der Schmerzambulanz der Universität Essen aus eigener Erfahrung weiß: "Problematischer wird es, wenn die Patienten wiederkommen und sagen: Das hat nicht geklappt!" Wie geht es dann weiter?

Wichtig ist, daß Patienten ein Schmerztagebuch führen, sagte Gendolla beim Schmerzkongreß in Bremen. Darin wird zum Beispiel notiert, wann Schmerzen kommen, wann die Medikamenten-Wirkung einsetzt und wie lange es dauerte, bis die Schmerzen gelindert oder verschwunden sind.

Von einem solchen Tagebuch profitierten beide Seiten: Die Patienten hätten etwas in der Hand, um ihre Beschwerden richtig zu äußern, "und für den Arzt ist es viel angenehmer über Fakten zu reden", so Gendolla bei einem von MSD organisierten Symposium.

Ein weiterer Tip von Gendolla: Patienten, bei denen eine Therapie nicht wirkt, nach einer Allodynie zu fragen. Denn: Triptane wirken nicht, wenn bei einer Attacke schon solche Mißempfindungen an Kopf, Gesicht oder Armen da sind, die durch Kämmen oder einfache Berührungen ausgelöst werden.

Gendolla berichtete von einer Studie mit 31 Patienten, die bei 34 Attacken mit und bei 27 ohne Allodynie ein Triptan erhalten hatten. Schmerzfrei nach zwei Stunden waren nur 15 Prozent der Patienten mit Allodynie, aber 93 Prozent ohne.

Deshalb solle man Betroffene erklären, daß sie bei der nächsten Attacke auf Allodynie-Symptome achten. Betroffene müssen dann in Zukunft darauf achten, Triptanen gleich zu Beginn einer Attacke einzunehmen und nicht zu warten, bis die Allodynie beginnt.

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