Ärzte Zeitung, 31.10.2008

Drei Fragen, drei Antworten

"Vorsicht mit der Pille bei Migräne mit Aura"

Wollen Frauen mit Migräne verhüten, sollte zuvor geklärt werden, welcher Migränetyp vorliegt.

Ärzte Zeitung: Was ist zu bedenken, wenn Frauen mit menstrueller Migräne mit der Pille verhüten möchten?

Dr. Ulrike Bingel: Diese Frauen können nach Rücksprache mit ihrem Gynäkologen versuchen, ob sich ein kombiniertes Kontrazeptivum - etwa über 3 oder 6 Monate - positiv auf die Migräne auswirkt. Allerdings ist dieses Vorgehen nichts für Frauen mit Migräne mit Aura! Diese ist normalerweise nicht menstruell assoziiert. Außerdem besteht bei ihr ein leicht erhöhtes Schlaganfallrisiko. Deshalb ist Vorsicht geboten mit der Pilleneinnahme, besonders wenn die Patientin Raucherin ist.

Ärzte Zeitung: Wann ist zur Therapie bei menstrueller Migräne eine Kurz- und wann eine Langzeitprophylaxe angezeigt?

Bingel: Leider gibt es bislang keine Studien, die die Wirksamkeit einer Langzeitprophylaxe speziell bei menstrueller Migräne prüft. Aber wenn zusätzlich zu den menstruellen Migräne-Attacken auch während des übrigen Zyklus häufig Migräne-Attacken auftreten, würde ich zunächst eine klassische Migräneprophylaxe etwa mit einem Betablocker versuchen. Die menstruellen Migräne-Attacken können dann je nach Erfolg der Langzeitprophylaxe zusätzlich mit einer Kurzzeitprophylaxe angegangen werden.

Ärzte Zeitung: Welche Hormon-Ersatztherapie eignet sich bei menstrueller Migräne?

Bingel: Für die Hormonersatztherapie scheint die kontinuierliche Therapie mit einer fixen Kombination von transdermalem Östrogen und Progesteron in möglichst niedriger Dosierung das am besten tolerierte Regime zu sein. (stü)

Dr. Ulrike Bingel ist Neurologin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Sie beschäftigt sich etwa mit der Schmerzverarbeitung und -wahrnehmung. Im August wurde sie als eine der herausragenden Neurowissenschaftlerinnen in Deutschland vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgezeichnet.

Lesen Sie dazu auch:
Migräne-Attacken bei Frauen - oft sind sinkende Östrogenspiegel die Ursache

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