Ärzte Zeitung, 07.09.2012

Höhenkrankheit

Ibuprofen fürs Gebirge

Ibuprofen kann milder Höhenkrankheit vorbeugen

Höhenkrankheit droht im Gebirge über 2500 Metern Höhe. Einigen Menschen hilft allerdings die Prävention mit Medikamenten.

Von Benjamin Rempe und Privatdozent Tomas Jelinek

Immer mehr Reisende haben Interesse am Bergsteigen. Viele stoßen dabei an ihre Grenzen, was häufig an mangelhafter Kondition und Akklimatisierung aber auch an fragwürdigen Angeboten von Veranstaltern liegt.

Ein Beispiel dafür ist eine sechstägige Pauschalreise mit einer Tour auf den 5895 m hohen Kilimanjaro in Tansania. Aufgrund der fehlenden Akklimatisierung erreichen nur 20 Prozent der Teilnehmer den Gipfel.

Symptome der Höhenkrankheit (AMS - acute mountain sickness) können infolge der hypobaren Hypoxie auftreten, wenn man sich längere Zeit in Höhen über 2500 m aufhält.

Mit steigender Höhe sinkt nämlich der Luftdruck und mit ihm der Sauerstoffpartialdruck. Das kann Symptome wie Kopfweh, Übelkeit und Erbrechen auslösen.

In einer randomisierten Doppelblindstudie wurde gezeigt, dass Ibuprofen einer milden Höhenkrankheit vorbeugen kann (Annals of Emergency Medicine 2012; 59: 484).

Wichtigste Maßnahme: Abstieg

Bei 86 Probanden wurde dabei untersucht, wie gut sie in den "White Mountains" von Kalifornien einen Aufstieg aus einer Höhe von 1240 Metern auf 3810 Metern vertrugen. 44 Teilnehmer nahmen vor, während und nach dem Aufstieg jeweils 600 mg Ibuprofen ein (gestartet wurde sechs Stunden vor der Tour).

Die anderen 42 Teilnehmer erhielt ein entsprechendes Placebo. Bei ihrem Aufstieg von 3545 m auf 3810 m entwickelte sich bei 69 Prozent der Placebo-Gruppe eine milde Höhenkrankheit. Bei den Bergsteigern, die vorbeugend Ibuprofen eingenommen hatten, lag dieser Wert bei nur 43 Prozent.

Da Ibuprofen hier vor allem symptomatisch und nur in milden Fällen der AMS wirkt, sind beim Auftreten der Höhenkrankheit in jedem Fall die Gabe von Sauerstoff und eine Luftdruckveränderung ratsam.

In einem mobilen, luftdichten "pressure bag" kann für den Patienten mithilfe einer manuellen Pumpe der Luftdruck gesteigert und somit eine geringere Höhe simuliert werden.

Die wichtigste und effektivste Methode zur Behandlung gegen AMS besteht jedoch weiterhin im sofortigen Abstieg.

Infos zur Reisemedizin: www.crm.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »