Direkt zum Inhaltsbereich

Migräne

Weniger Kopfschmerz durch Antikörper?

Eine aktuelle Studie macht Migräne-Geplagten Hoffnung: Ein spezieller Antikörper zur Prophylaxe kann die Zahl der Schmerzattacken offenbar deutlich reduzieren.

Veröffentlicht:

BERLIN. Eine Phase-II-Studie mit einem monoklonalen humanisierten Anti-CGRP-Antikörper bei Migräne-Patienten hat ergeben: "Nach einmaliger intravenöser Gabe des Antikörpers ALD403 nahm die Zahl der Migränetage geringfügig, aber statistisch signifikant stärker ab als unter einem Scheinmedikament."

So wird Privatdozentin Dr. Stefanie Förderreuther, Generalsekretärin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) in einer gemeinsamen Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der DMKG zitiert. Um die Sicherheit der Behandlung zu gewährleisten, müssten aber noch weitere Studien folgen.

Eiweißmolekül verstärkt Schmerzattacken

Der Antikörper ALD403 wurde entwickelt, um die Konzentration des "Calcitonin-Gen verknüpften Peptids" (CGRP) zu verringern, ein Eiweißmolekül, das während Migräneattacken freigesetzt wird und möglicherweise durch die Erweiterung der Hirnarterien die Schmerzattacken verstärkt, heißt es in der Mitteilung .

An der aktuellen Studie, die eine Arbeitsgruppe um David W. Dodick, Professor für Neurologie an der Mayo Clinic Arizona, Scottsdale, vor Kurzem in der Fachzeitschrift The Lancet Neurology veröffentlicht hat, hatten 163 Patienten zwischen 18 und 55 Jahren teilgenommen, die in einem Zeitraum von 28 Tagen jeweils zwischen 5 und 14 Tagen an Migräne litten.

Die Hälfte der Patienten erhielt randomisiert eine einmalige intravenöse Dosis von 1000 mg ALD403, die andere Hälfte bekam Placebo (Lancet Neurol. 2014; 13(11): 1100-7).

Die Wirksamkeit des Antikörpers beträgt etwa drei Monate. In Woche 5 bis 8 nach dieser Intervention hatte sich der Antikörper als signifikant wirksamer erwiesen.

Er reduzierte die Zahl der Migränetage in diesem Zeitraum um 5,6 gegenüber 4,6 Migränetagen unter Placebo, wie die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) weiter mitteilen.

Keine Nebenwirkungen festgestellt

Die aktuelle Studie hat primär die Sicherheit von ALD403 getestet. Dabei fanden sich keine Unterschiede in den Nebenwirkungen, Vitalzeichen oder Laborwerten zwischen der Verum- und der Placebo-Gruppe.

Professor Hans-Christoph Diener, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Essen und Direktor des Westdeutschen Kopfschmerzzentrums mahnt dennoch zur Vorsicht: "CGRP kommt in allen Organen einschließlich des Gehirns in hohen Konzentrationen vor. Deshalb könnte ein Antikörper gegen CGRP langfristig unerwünschte Nebenwirkungen haben."

Der Hersteller gehe zwar davon aus, dass der Antikörper die Blut-Hirn-Schranke normalerweise nicht überwinden kann, allerdings ist derzeit noch nicht klar, ob diese Barriere auch bei heftigen Migräneattacken intakt bleibt. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Wird oft übersehen

Wie sich Migräne bei älteren Menschen zeigt

Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Ofatumumab-Konzentrationen in der Muttermilchh

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Flexiblere Familienplanung durch kürzere Kontrazeptionszeit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Spurenelemente

Zink und Testosteron: Wann ist eine Substitution sinnvoll?

Early-onset-Diabetes

Jeder zweite junge Erwachsene erreicht Diabetesremission

Lesetipps
Hände hallten Tablette in linker Hand und Glas Wasser in rechter Hand

© IQ-Photography / Generated with AI / Stock.adobe.com

Medikamentöse Adipositastherapie

Faktenckeck orales Semaglutid: Was es kann und wo der Haken ist