Ärzte Zeitung online, 06.02.2015

Migränetrigger

Lachen, bis der Schädel brummt

Für die Betroffenen ist es nicht gerade lustig - Lachen kann einen Migräneanfall auslösen. Über diesen ungewöhnlichen Fall berichten jetzt britische Ärzte.

Von Thomas Müller

Lachen, bis der Schädel brummt

Migräne durch Lachen? Bei einigen Patienten ist das möglich.

© chris-m / fotolia.com

PLYMOUTH. Offenbar gibt es kaum eine menschliche Aktivität, die nicht auch Kopfschmerzen verursachen kann.

Nicht einmal das Lachen ist davon ausgenommen: Neurologen des Derriford Hospitals in Plymouth berichten nun von einer 46-jährigen Frau, die regelmäßig migräneartige Kopfschmerzen bekam, wenn sie spontan lachen musste (Shatti D et al. 2015, ; 55: 178-179).

Die Schmerzen hielten dann oft den Rest des Tages an und beeinträchtigten sie dermaßen, dass sie lustige Situationen vermied.

Kaleidoskopische Sehstörungen

Wie Dr. David Shatti und Mitarbeiter von der britischen Klinik berichten, beschrieb die Frau den Schmerz als linksseitig und druckförmig, wobei bunte Sehstörungen auftraten.

Begleitet wurde der Schmerz von einer Photophobie und von Übelkeit.

In der Anamnese zeigten sich kaum Auffälligkeiten. Die Frau hatte bislang keine Migräne oder vergleichbare Kopfschmerzepisoden gehabt, sie berichtete lediglich über ein leichtes Schleudertrauma kurz vor Beginn ihrer Lachmigräne.

In den Krankenakten war zudem ein leichtes Asthma vermerkt.

Den Konsum von Tabak, großen Mengen Alkohol und illegalen Drogen verneinte sie.

Auch ließen sich die Kopfschmerzen nicht durch andere Verhaltensweisen triggern. Die Ärzte hatten hier vor allem Valsalva-Manöver ähnliche Bewegungen im Sinn, etwa Husten, Niesen oder Pressen auf der Toilette. Auch beim Sex blieben die Schmerzen fern.

Nur bei spontanen Lachanfällen

Interessanterweise trat der Kopfschmerz auch nur beim spontanen Lachen auf. Sollte sie auf Kommando lachen, passierte nichts.

Die neurologische Untersuchung einschließlich Fundoskopie ergab keine Auffälligkeiten; das MRT deutete auf eine normale kranio-zervikale Verbindung.

Die Patientin lehnte eine medikamentöse Migräneprophylaxe ab und setzte lieber auf pflanzliche Präparate wie Mutterkraut sowie eine Vermeidungsstrategie.

Unter Nortriptylin verschwanden die Kopfschmerzen

Nach einiger Zeit erlitt sie eine Kopfverletzung und entwickelte Depressionen, worauf ihr die Ärzte Nortriptylin verordneten. Zu dieser Zeit verschwanden dann auch die Kopfschmerzepisoden.

In der Literatur seien immer wieder Fälle von Migräne-Attacken beschrieben worden, bei denen Lachen als Auslöser genannt wird.

Meist hätten sich die Schmerzen bei solchen Patienten aber auch noch in anderer Weise triggern lassen, etwa durch Husten und Niesen.

In einer prospektiven Studie konnte bei einem Drittel der Patienten mit Husten-assoziierter Migräne auch Lachen den Kopfschmerz auslösen.

Ein Fall mit Lachen als einzigem Trigger ist nach Kenntnis der britischen Neurologen aber noch nicht publiziert worden.

Nach ihrer Ansicht erfüllen die beschriebenen Beschwerden wie unilateraler, schwerer Schmerz mit Photophobie und Übelkeit die Kriterien einer Migräne, zumal andere Ursachen, etwa eine Chiari-Malformation Typ 1, im MRT ausgeschlossen werden konnten.

Bei Chiari-Patienten könne das mit dem Lachen verbundene Valsalva-Manöver möglicherweise Kopfschmerzen auslösen.

Die Neurologen raten daher, immer auch nach kranio-zervikalen Problemen zu schauen.

Zur Therapie empfehlen sie einen konservativen Ansatz. Ob Nortriptylin etwas genutzt habe, lasse sich nicht sagen.

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