Ärzte Zeitung, 15.01.2016

Kopfweh in der Nacht

Ein Kaffee am Abend kann helfen

Wenn der Kopfschmerz den Schlaf raubt, können die Ursachen vielfältig sein: Häufig stecken Atemprobleme dahinter, mitunter aber auch recht exotische Phänomene.

Von Thomas Müller

Ein Kaffee am Abend kann helfen

Vielen Patienten raubt der Kopfweh nachts den Schlaf.

© Getty Images/thinkstockphotos

MAINZ. Schlafstörungen bei Kopfschmerzpatienten sind keine Seltenheit. Nach epidemiologischen Untersuchungen finden drei von vier Kopfschmerzpatienten keinen erholsamen Schlaf, erläuterte Professor Svenja Happe von der Klinik für Neurologie in Telgte.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Kopfschmerzmedikamente können den Schlaf stören, auch scheinen Patienten mit Kopfschmerzen eine Neigung für bestimmte Schlafstörungen zu haben, sagte die Neurologin bei einer Tagung in Mainz. Als Beispiel nannte sie eine erhöhte Prävalenz von Parasomnien bei jungen Migränepatienten.

Auch gebe es Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Narkolepsie und Migräne. In eigenen Untersuchungen konnte Happe eine erhöhte Prävalenz von RLS bei Migränepatienten feststellen: Von 411 Patienten waren 17 Prozent betroffen, in einer Kontrollgruppe ohne Migräne trat ein RLS nur bei sechs Prozent der Teilnehmer auf.

Bei Patienten mit Spannungs- und Clusterkopfschmerz fanden die Forscher um Happe hingegen keine erhöhte RLS-Prävalenz.

Clusterkopfschmerzen treten zu rund 60 Prozent im Schlaf auf

Ein besonderes Problem können auch Kopfschmerzen darstellen, die im Schlaf auftreten. Dies ist sowohl bei Migräne- als auch bei Clusterkopfschmerzen nicht selten der Fall. Clusterkopfschmerzen treten zu rund 60 Prozent im Schlaf auf, bei rund jedem zehnten Patienten sogar ausschließlich im Schlaf, so Happe.

Die Attacken beginnen meist im REM-Schlaf und im vierten Schlafstadium. Bei nächtlichen Clusterkopfschmerzen hätten die Patienten meist auch eine schlafbezogene Atemstörung - allerdings nur bei episodischem Clusterkopfschmerz.

Meist (bei 65-85 Prozent) treten die Attacken nach einer Sauerstoffentsättigung und bei erhöhtem CO2-Partialdruck auf. Häufig ließen sich im aktiven Cluster auch Apnoen beobachten. Umgekehrt leidet ein Drittel bis die Hälfte der Patienten mit einem obstruktiven Schlafapnoesyndrom auch unter Kopfschmerzen, wobei die Schmerzen mit der Ausprägung der Schlafapnoe zunehmen.

Eine naheliegende Therapie ist dann die Überdruckbeatmung. Es gebe inzwischen einige Hinweise, wonach die CPAP auch gegen Clusterkopfschmerz bei Schlafapnoe wirksam ist. Happe gab jedoch zu bedenken, dass die meisten der Apnoen beim Clusterkopfschmerz zentral und nicht obstruktiv bedingt sind.

 Mindestens zehn nächtliche Attacken pro Monat

Eine Besonderheit sind Kopfschmerzen, die ausschließlich im Schlaf auftreten. Die Neurologin nannte hier vor allem den primären schlafgebundenen Kopfschmerz, der die Betroffenen aus dem Schlaf reißt. Nach dem Aufwachen hält der Schmerz in der Regel mindestens eine Viertelstunde und maximal vier Stunden an.

Die Diagnosekriterien sind erfüllt, wenn über drei Monate hinweg mindestens zehn nächtliche Attacken pro Monat auftreten und sich keine kranialen oder autonomen Ursachen finden lassen. Betroffen sind meist ältere Menschen, zu zwei Dritteln Frauen, bei rund 60 Prozent treten die Schmerzen bilateral auf. Die Attacken beginnen in der Regel ebenfalls im REM-Schlaf. Vermutet werden Veränderungen im suprachiasmatischen Kerngebiet.

Erstaunlicherweise scheint Koffein bei einigen Patienten gut prophylaktisch zu wirken: Mit einer Tasse Kaffee am Abend blieben viele die Nacht über schmerzfrei. Auch für NSAR, Lithium (300-600 mg), Indometacin (50-200 mg) sowie Flunarizin (5-10 mg) gebe es Berichte zur Wirksamkeit.Ebenfalls schlafgebunden ist der "turtle headache".

Diese Kopfschmerzform wird vor allem morgens nach dem Wiedereinschlafen beobachtet. Häufig haben sich die Betroffenen dabei ein Kissen über den Kopf gezogen, liegen unter der Bettdecke oder haben einen Arm auf dem Gesicht. Dies deute auf eine Hypoxie oder Hyperkapnie als Mechanismus.

"Exploding head syndrom"

Gelegentlich suchen auch Patienten mit "exploding head syndrom" einen Neurologen auf: Die Patienten hören einen lauten Knall und haben das Gefühl, etwas in ihrem Kopf ist explodiert. Meist tritt das Phänomen beim Schlaf-Wach-Übergang oder beim Erwachen in der Nacht auf.Die Patienten haben in der Regel jedoch keine Schmerzen, aber ein ausgeprägtes Furchtgefühl.

Gelegentlich können Lichtblitze und Myoklonien das Ereignis begleiten. Hier komme es vor allem darauf an, die Patienten zu beruhigen. Das Syndrom scheine nicht auf einer bedrohlichen Ursache zu beruhen und sei möglicherweise mit dem Pavor nocturnus verwandt, erläuterte Happe.

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