Ärzte Zeitung, 26.03.2004

Neurolyse kann radikuläre Schmerzen lindern

Beim Nervenwurzelreizsyndrom sind durch epidurale Neurolyse deutliche klinische Verbesserungen möglich

MÜNCHEN (ner). Vertreter der umstrittenen perkutanen epiduralen Neurolyse bei Patienten mit chronischem Nervenwurzelreizsyndrom können jetzt ein neues Pro-Argument für sich verbuchen. In einer kontrollierten Pilotstudie haben Münchner Orthopäden und Anästhesisten mit der Methode gute Erfolge erzielt.

Zehn Prozent aller chronischen Rückenschmerzen würden durch radikuläre Schmerzen begleitet, so Dr. Ludger Gerdesmeyer und Kollegen vom Klinikum rechts der Isar (Der Orthopäde 32, 2003, 869). Bis heute gebe es allerdings keinen Konsens zur Therapie dieser Patienten. Als Hauptursache radikulärer Schmerzen werden epidurale Vernarbungen und Zugbelastungen der an der Fibrose haftenden Nervenwurzel angesehen, etwa nach einer chirurgischen Intervention.

Bei der Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts eingeführten minimal-invasiven perkutanen epiduralen Neurolyse wird ein Epiduralkatheter durch den Hiatus sacralis unter Röntgenkontrolle bis zu dem neurologisch identifizierten Auslöseort der Schmerzen vorgeschoben.

Dann werden mehrfach Lokalanästhetika, hypertone Kochsalzlösung, Hyaluronsäure und zum Teil Kortikosteroide appliziert. Obwohl mehrere klinische Studien auf die Effektivität der Methode hinweisen, existiert bislang kein Wirkungsnachweis entsprechend der Vorgaben der "Good Clinical Practice Guidlines" (GCP).

Gerdesmeyer und seine Kollegen haben nun in der GCP-konformen prospektiven Studie bei 25 Patienten mit durchschnittlich 28monatiger Schmerzanamnese und erfolgloser konservativer Therapie deutliche klinische Verbesserungen zwölf Wochen nach neurolytischer Behandlung nachgewiesen.

In ihrer Untersuchung handelte es sich um Patienten mit Bandscheibenvorfällen oder Postnukleotomie-Syndromen im Lendenwirbelsäulenbereich. Vier Patienten beurteilten die Wirkung als "sehr gut", elf Patienten als "gut", sechs Patienten als "befriedigend" und zwei Patienten als "schlecht". Bei keinem Patienten sei eine Verschlechterung im Vergleich zum Ausgangszustand festgestellt worden, berichtete Gerdesmeyer. Es traten keine klinisch relevanten Komplikationen bei der epidurale Neurolyse auf.

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