Ärzte Zeitung, 15.11.2005

Tips für die Arzthelferin

Auch Arzthelferinnen sollten ihrem Rücken Gutes tun

Von Theresia Wölker

Fast jeder hat sich schon einmal mit Rückenschmerzen herumgeplagt. Eine Volkskrankheit, die nicht nur Patienten, sondern auch Arzthelferinnen trifft. Eine Vielzahl von Ursachen kann den Beschwerden zugrunde liegen. Sicherlich spielen auch soziale, psychische und arbeitsplatzbezogene Faktoren eine Rolle.

Sportarten, die dem Rücken gut tun: Nordic Walking, Aquagymnastik, Radfahren, Schwimmen, Progressive Muskelentspannung, Tai Chi und Yoga. Foto: dpa (3) und imago

Was kann die Praxismitarbeiterin tun, um den Rücken zu stärken? Das Angebot ist groß und reicht von der klassischen Medikation, über Rückenschule bis hin zu Entspannungsübungen und Streßbewältigungsstrategien.

Keine Zeit, wird manche Leserin denken. Einfache Strategien der Gesundheitsförderung lassen sich aber auch in den Arbeitsalltag der Praxis einbauen. Rückengerechtes Verhalten beginnt bei der eigenen Achtsamkeit.

Zum Beispiel bei der Arbeit am Computer: Die Beine sollten beim aufrechten Sitzen im rechten Winkel stehen und die Füße den Boden berühren. Die Augen sollten in der Regel auf Höhe der Oberkante des Computerbildschirmes liegen. Einen etwas anderen Monitortest für den optimalen Abstand zum Bildschirm gibt es z.B. unter www.ergonetz.de/bildschirm/

Statt übertriebener Aufmerksamkeit und Bewegungsangst ist kluges und überlegtes Verhalten angesagt - etwa beim Bücken in die Hocke gehen oder der regelmäßige Wechsel von Arbeiten im Stehen und Sitzen. Beim Telefonieren im Stehen haben Sie den Vorteil, daß Sie sich bewußt aufrichten und strecken können.

Telefonate, die im Stehen geführt werden, sind meistens kürzer und effizienter; auch die Stimme klingt freier, weil das Zwerchfell sich entfalten kann. Das früher bekannte Stehpult hat mittlerweile in vielen Betrieben - auch Arztpraxen - wieder Einzug gehalten.

Arzthelferinnen, die überwiegend am Telefon oder im Schreibdienst arbeiten, brauchen rückenfreundliche Voraussetzungen am Arbeitsplatz: der Stuhl sollte den ergonomischen Richtlinien entsprechen, verschiedene Sitzpositionen zulassen und sich auf die Körpergröße einstellen lassen.

Kleine Übungen am Arbeitsplatz sind nötig

Kleine Übungen am Arbeitsplatz lassen sich immer mal wieder einbauen. Schließlich fördert körperliches Fitsein die Arbeitsqualität und hilft, die Fehlerquote zu verringern. Zu Gymnastikübungen zwischendurch können zum Beispiel animierende Bildschirmschoner motivieren. Kleine Aufgaben zum Rückentraining zwischendurch bietet z.B. die Internetadresse www.dak.de/content/dakgesundleben.

Die Präventionsprogramme der Krankenkassen haben alle als zentrale Botschaft "Beweg Dich". Das heißt, jede Form von Bewegung tut auch dem Rücken tut. Deshalb immer die Treppen statt des Fahrstuhls benutzen. Vielleicht kann man es einrichten, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren oder zumindest in der Mittagspause einen kleinen, aber zügigen Spaziergang zu machen.

Für die Arbeit in der Praxis zwischen Schreibtisch und Wartezimmer gilt die Devise: möglichst in Bewegung bleiben und Haltungswechsel in den Alltag einbauen. Wer viel am Computer sitzt, sollte öfters die Position wechseln. Der Trend, sich alles in bequeme Greifnähe zu stellen, sollte umgekehrt werden.

Besser ist es, Arbeitsmaterial, das man täglich nur wenig benutzt, bewußt weiter weg zu deponieren. Auch der Gang zum Kopierer oder Drucker sollte bewußt zum Aufstehen und zum Bewußtwerden des Rückens genutzt werden.

Arbeitszufriedenheit merkt auch der Rücken

Allerdings: Ein ergonomischer Arbeitsplatz und körperliche Fitneß schützen nicht alleine vor Rückenschmerzen. Nur wenn sich die Arzthelferin auch rundherum wohl fühlt, wird das ihren Rücken stärken. Schließlich ist der Rücken ein Spiegel unserer seelischen Beanspruchung. Arbeitsunzufriedenheit, ein gereiztes und gespanntes Betriebsklima, einseitige Arbeit und psychischer Streß bleiben auch nicht ohne Auswirkungen auf Kopf, Schultern, Nacken und Wirbelsäule.

Innerbetriebliche Gesundheitsförderung ist aber nicht alleine Chefsache. Auch die Praxismitarbeiter müssen mehr Selbstverantwortung für ihre Gesundheit übernehmen. Nur so werden sie auch glaubwürdig bei der Beratung und Schulung von Patienten.

Ein paar Sportarten, die dem Rücken gut tun: Aquagymnastik, Klettern, Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen, Progressive Muskelentspannung, Tai Chi und Yoga.

Arzthelferinnen sollten nach entsprechenden Angeboten bei ihrer Krankenkasse fragen. Vielleicht macht es dann bald so viel Spaß, daß sie sich selbst etwa zum Nordic-Walking-Instructor ausbilden lassen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »