Ärzte Zeitung, 23.10.2006

Schlechter Schlaf und Depression bei neuropathischen Rückenschmerzen

Schmerztyp beeinflußt Psyche / Studie bei über 7600 Rückenschmerz-Patienten

BERLIN (gvg). Rückenschmerzpatienten mit einer neuropathischen Schmerzkomponente haben häufiger Angststörungen, sind häufiger depressiv und schlafen schlechter als Patienten mit rein nozizeptivem Schmerz.

Das belegt eine große deutsche Multicenter-Studie, an der 7688 Patienten mit chronischem Rückenschmerz teilgenommen haben. In der vom Unternehmen Pfizer unterstützten Untersuchung wurde bei den Rückenschmerz-Patienten zunächst der Schmerztyp mit Hilfe des painDetect-Fragebogens erfaßt. Der Fragebogen dient speziell der Abgrenzung von neuropathischen Schmerzen bei Rückenschmerzpatienten (wir berichteten). Typisch für neuropathische Schmerzen sind Sensibilitätsstörungen und ein Gefühl des Brennens im Schmerzgebiet. Auch Spontanschmerzen, Allodynien und Hyperalgesien sind häufig.

Den Patienten wurden dann jeweils etwa 150 Fragen gestellt, um herauszubekommen, ob es beim Krankheitsverlauf Unterschiede zwischen Patienten mit überwiegend nozizeptivem und solchen mit überwiegend neuropathischem Schmerz gibt. "Wir konnten zeigen, daß der Schmerztyp starken Einfluß auf die Häufigkeit psychischer Begleiterkrankungen hat", sagte Dr. Rainer Freynhagen von der Universität Düsseldorf beim Schmerzkongreß in Berlin.

So hatten zwölf Prozent der Patienten mit überwiegend neuropathischem Schmerz eine schwere und 51 Prozent eine moderate Depression. Bei den Patienten mit Nozizeptorschmerz waren es nur zwei Prozent und 25 Prozent. Ähnliche Unterschiede gab es bei Angst- und Panikstörungen: 16 Prozent der Neuropathie-Patienten litten daran, drei Prozent derjenigen mit Nozizeptorschmerz.

Auch Schlafprobleme waren bei neuropathischem Schmerz häufiger (76 versus 52 Prozent). "Patienten mit neuropathischem Rückenschmerz sind entweder schwerer krank oder werden schlechter behandelt", vermutet Freynhagen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »