Mittwoch, 1. Oktober 2014
Ärzte Zeitung, 12.01.2006

Magnetfeldtherapie macht Arthrose-Knie flott

Placebo-kontrollierte Studie mit 71 Patienten / Beweglichkeit und Funktion verbessert, Schmerzen reduziert

NEU-ISENBURG (ner). Schwache pulsierende Magnetfelder könnten sich als adjuvante Therapie bei Kniegelenksarthrose eignen. In einer Doppelblind-Untersuchung waren sechs Wochen Gonarthrose-Patienten randomisiert mit Verum- oder Placebo-Geräten behandelt worden. Die Verum-Therapie reduzierte Schmerzen und verbesserte die Beweglichkeit signifikant.

71 Patienten aus Maribor in Slowenien, von denen mehr als die Hälfte bereits seit über fünf Jahren Gonarthrose hatten, nahmen an der Studie teil. Zwei der vier Ganzkörper-Magnetfeldgeräte waren Placebo-Systeme, die sich optisch und akustisch nicht von den Verumgeräten unterschieden, wie Professor Rainer B. Pelka, Statistiker an der Universität der Bundeswehr München, und seine Kollegen aus Österreich und Slowenien in der "Zeitschrift für Orthopädie" berichten (143, 2005, 544).

Bei der Verum-Therapie erhielten die Patienten sechs Wochen täglich für 16 Minuten Applikationen mit niederfrequenten elektromagnetischen Feldern und mit stufenweise ansteigenden Feldstärken von 3,4 bis 13,6 Mikrotesla. Bei der Placebo-Therapie wurden keine elektromagnetischen Felder erzeugt.

    Ein positiver Nebeneffekt war Reduktion des Blutdrucks.
   

Schmerz, Beweglichkeit und Funktionstüchtigkeit waren mit dem Knee Society Score (KSS) beurteilt worden (0 Punkte: extrem schlecht, 100 Punkte: normal). In der Placebo-Gruppe blieb der KSS-Wert etwa gleich mit 77,6 Punkten vor der Behandlung und 79,8 Punkten nach sechs Wochen. In der Verum-Gruppe kam es zu einer signifikanten Verbesserung von 80,6 auf 86,9 Punkte.

Die Schmerzintensität nahm bis zum Ende der Therapie stetig und signifikant ab, nämlich von durchschnittlich etwa 55 auf 37 Punkte auf einer numerischen Analogskala (0 Punkte: schmerzfrei; 100 Punkte: stärkster Schmerz). Zwar nahm der Schmerz auch in der Placebo-Gruppe bis zur vierten Woche ab (von 58 auf 47 Punkte).

Er nahm dann jedoch wieder allmählich an Intensität zu. Die Therapie-Effekte hatten bei der Nachuntersuchung vier Wochen nach Ende der Behandlung nachgelassen, unterschieden sich jedoch noch vom Ausgangswert.

Zusätzlich fielen in der Verum-Gruppe als positiver Nebeneffekt eine Reduktion des systolischen Blutdrucks von im Mittel 136 auf 131 mmHg auf (Placebo: geringer Anstieg von 136 auf 139 mmHg).

Die KSS-Veränderungen seien nicht so deutlich ausgefallen, daß ihre praktische Relevanz gesichert sei, so Pelka. Dennoch geht er von positiven Effekten der Methode aus. Die Effekte könnten deutlicher sein, würde mehr als sechs Wochen behandelt, vermutet er.

Bislang stützen sich Befürworter der Magnetfeldtherapie hauptsächlich auf Erfahrungsberichte und Kasuistiken. Zudem werde eine große Bandbreite der einstellbaren Parameter wie Feldverteilung, Frequenz, Kurvenform und Expositionsdauer angewendet, so Pelka. Mit dieser Studie lägen nunmehr statistisch relevante Daten vor.

Eine Erklärung für die Wirksamkeit könnte sein, daß elektrische Vorgänge bei der De- und Regeneration von Knochen und Knorpel beteiligt sind. Die Kollegen gehen davon aus, daß die elektromagnetische Energie Ionenflüsse im Körper beeinflußt und die Chondrozytenfunktion anregt. Womöglich gebe es synergistische Effekte mit anderen Knorpelstimulationsmethoden.

Die Magnetfeldtherapie ist keine GKV-Leistung, sondern IGeL.

STICHWORT

Magnetfeldtherapie

Viele Wissenschaftler sind reserviert, wenn es um die Therapie mit schwachen magnetischen Wechselfeldern geht. Das könnte daran liegen, daß es erst wenige Daten aus kontrollierten Studien gibt, so Professor Rainer B. Pelka aus München und seine Kollegen. Man wisse aber, daß niederfrequente Magnetfelder etwa Ionenströme und -diffusion beeinflußten. Bekannt sei auch, daß elektrische Potentiale - wie auch mechanische, chemische und hormonelle Reize - Einfluß auf Bindegewebe hätten. Deshalb lägen synergistische Effekte der Magnetfeldtherapie mit knorpelstimulierenden Therapien wie Hyaluronsäure, Glukosaminsulfat und Chondritinsulfat nahe. (gwa)

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