Ärzte Zeitung, 31.01.2006

Bewegung stärkt Gelenkknorpel bei Gonarthrose

Knorpelqualität wird durch regelmäßigen Sport verbessert / Studie bei Patienten mit Meniskusschäden

MALMÖ (ner). Menschen mit Meniskusschäden sollten moderat Sport treiben, berichten schwedische Orthopäden. Denn die Qualität des Gelenkknorpels kann durch Sport verbessert werden. Und: Womöglich beugt körperliche Aktivität einer Gonarthrose vor.

Knie-Check beim Arzt. Durch moderate Belastung wird eine Arthrose bei Patienten mit Meniskusschäden nicht beschleunigt, sondern eher gehemmt. Foto: Klaro

Verbreitet ist die Auffassung, wonach eine Arthrose durch zusätzliche Belastung beschleunigt voranschreitet. Das stimmt so wohl nicht, berichten Dr. Ewa M. Roos und Dr. Leif Dahlberg vom Universitätskrankenhaus in Malmö in Schweden.

Die Ärzte hatten 30 Männer und Frauen zwischen 35 und 50 Jahren mit bekannten Meniskusschäden, die eine partielle Meniskektomie hinter sich hatten, untersucht. Die meisten Teilnehmer hatten mindestens einmal monatlich Kniebeschwerden, elf hatten eine manifeste Gonarthrose. Die Patienten wurden entweder einer Übungs- oder Kontrollgruppe zugeteilt.

In der Übungsgruppe machten die Teilnehmer vier Monate lang Sport - dreimal pro Woche eine Stunde lang. Zum Aufwärmen fuhren sie auf Fahrrad-Ergometern, machten Seilspringen oder joggten auf einem Trampolin.

Dann gab es unter Anleitung von geschulten Physiotherapeuten Übungen mit leichter Gewichtsbelastung, etwa Kniebeugen mit Hanteln oder Balancieren auf einem Bein mit Halten eines Balls über dem Kopf.

Vor Beginn und nach Abschluß der viermonatigen Intervention wurde bei allen Teilnehmern eine Magnet-resonanz-Tomographie der Kniegelenke gemacht. Dabei wurde mit Hilfe von Kontrastmittel der Glukosaminoglykan-Gehalt des Knorpels bestimmt. Glukosaminoglykan ist wichtig für Widerstandsfähigkeit und Elastizität des Knorpels.

Zu Beginn der Studie war der Glukosaminoglykan-Gehalt bei allen Patienten ähnlich. Am Studienende hatte in der Übungsgruppe der Glukosaminoglykan-Gehalt deutlich zugenommen, nicht aber in der Kontrollgruppe.

Der Unterschied zwischen den Gruppen war signifikant. Je mehr die Patienten körperlich aktiv waren, desto höher war auch der Gehalt an Glukosaminoglykan im Knorpel, berichten die Ärzte (Arthritis & Rheumatism 52, 2005, 3507).

Die Orthopäden räumen zwar ein, daß die kleine Studie nur begrenzt allgemeine Aussagen zu Auswirkungen von Sport auf die Arthrose-Entwicklung zuläßt. Jedoch würden vorangegangene Tier- und In-vitro-Studien bestätigt, wonach sich die Knorpelqualität unter Belastung verbessert. Zumindest für Menschen mit hohem Gonarthrose-Risiko sei anzunehmen, daß die körperlichen Übungen vorbeugende Effekte haben.

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