Ärzte Zeitung, 27.03.2006

Plädoyer für Coxib-Therapie bei alten Patienten

Magen-Darm-Risiko wichtig

FRANKFURT AM MAIN (mar). Um Schmerzen entzündlicher Genese zu lindern, etwa bei Exazerbationen einer Arthrose, sind entzündungshemmende Analgetika wie traditionelle NSAR (t-NSAR) oder Coxibe Therapie der Wahl. Für ältere Menschen mit Ulkusanamnese sind die besser Magen-Darm verträglichen Coxibe die bessere Alternative.

Dies sagte Professor Rainer Wiegand beim Deutschen Schmerztag in Frankfurt am Main. Der niedergelassene Internist und Rheumatologe aus Frankfurt am Main machte seine Arzneiwahl am Beispiel einer 82jährigen Patientin deutlich, die Schmerzen im rechten Hüftgelenk aufgrund einer Arthrose hat und seit zehn Jahren gehbehindert ist. Zusätzliche Erkrankungen der Patientin: COPD, leichte Herzinsuffizienz (NYHA I), chronische Eisenmangelanämie, Ulcera ventriculi und duodeni in der Anamnese. Womit sollte die Patientin behandelt werden?

Nach den britischen NICE-Kriterien sei die Entscheidung eindeutig: Danach wird die Therapie mit einem Coxib empfohlen über 65 Jahre, bei Ulkusanamnese, bei Einnahme von Präparaten mit erhöhtem gastrointestinalen Risiko und bei Langzeittherapie mit einem Antirheumatikum.

In Studien bei Arthrose-Patienten sei belegt, daß die Therapie mit einem NSAR ebenso wirksam ist wie die mit einem Coxib, erinnerte Wiegand bei einem von Pfizer unterstützten Symposium. In einem Score hätten sich keine signifikanten Unterschiede für die Parameter Wirksamkeit, Beweglichkeit und Funktion für Diclofenac oder Naproxen im Vergleich zu Celecoxib (Celebrex®) ergeben. Jedoch werde das Coxib wesentlich besser vertragen; die Ulkusrate bei Celecoxib war in Studien ähnlich gering wie bei Placebo.

Zudem haben Kapsel-Endoskopien ergeben, daß sich durch Coxibe auch Ulzera im Dünn- und Dickdarm verhindern lassen. Daher sei die Therapie mit NSAR plus einem Protonenpumpenhemmer (PPI) den Coxiben unterlegen, denn PPI schützen nicht den Darm.

Für die 82jährige sei daher ein Coxib Mittel der Wahl, so Wiegand. Da es derzeit keine verläßlichen Daten zur kardiovaskulären Sicherheit von NSAR gebe und unklar sei, ob Unterschiede zwischen NSAR und Coxiben bestehen, sei für ihn das gastrointestinale Risiko das einzige Auswahlkriterium für die Entscheidung für Coxib oder NSAR, betonte Wiegand.

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