Bei einem "Überbein" hilft mitunter nur die Op

Einlagen und Analgetika haben einer Patientin mit einer Knochennase am Rückfuß nicht geholfen. Erst nach einer Op konnte sie wieder voll in der Gastronomie arbeiten.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Dreidimensionale CT-Rekonstruktion des Sprunggelenks mit dorsomedialer Koalition (Pfeile). a) Schräg von vorne, b) seitlich mit frei einsehbarer medialer Gelenkfacette (kleiner gelber Pfeil), c) dorsale Aufsicht, Koalition ausgehend von der dorsalen Gelenkfacette.

Dreidimensionale CT-Rekonstruktion des Sprunggelenks mit dorsomedialer Koalition (Pfeile). a) Schräg von vorne, b) seitlich mit frei einsehbarer medialer Gelenkfacette (kleiner gelber Pfeil), c) dorsale Aufsicht, Koalition ausgehend von der dorsalen Gelenkfacette.

© M. Muhm (4)

KAISERSLAUTERN. Ein seit der Kindheit bekanntes "Überbein" hinter dem Innenknöchel des rechten Fußes entpuppte sich bei einer jungen Frau als talokalkaneare Verbindung.

"Überbein" dorsoplantar am Innenknöchel des rechten Fußes lokalisiert (Pfeil).

Hatte die Knochennase am Rückfuß in der Kindheit keinerlei Problem bereitet, verursachte sie nun deutliche Anlauf- und Belastungsschmerzen, seit die 21-Jährige eine Lehrstelle in der Gastronomie angenommen hatte.

Mit Einlagen und Analgetika wurde es nicht besser, berichten Dr. Markus Muhm und seine Kollegen vom Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern (Orthopäde 2011; 40: 253).

Bei der klinischen Untersuchung war dorsoplantar des rechten Innenknöchels eine Exostose ohne Entzündungszeichen sicht- und tastbar. Die Beweglichkeit im unteren Sprunggelenk (USG) war aufgehoben. Auf dem a.p.-Röntgenbild erkannten die Orthopäden am lateralen Talus und am Kalkaneus osteophytäre und artikulierende Ausziehungen, die zudem arthrotisch verändert waren.

Rechtes Sprunggelenk mit dorsomedialer talokalkanearer Koalition (Pfeil) mit arthrotischen Veränderungen der Artikulationsflächen.

Die Computertomografie mit 3D-Rekonstruktion bestätigte eine fibröse, teilweise ossifizierte dorsomediale Koalition zwischen Talus und Kalkaneus, die weitgehend außerhalb des Sprunggelenks lag.

Weil die konservative Therapie nicht erfolgreich gewesen und körperliche Schonung mit dem Beruf der Patientin nicht vereinbar war, entschlossen sich Muhm und seine Kollegen zur Resektion und Aufdehnung des Subtalargelenks mit einem Spreizer. Danach war das USG deutlich beweglicher als vorher.

Nach dem Eingriff durfte die Patientin in einer Orthese voll belasten.

Nach zwei Wochen erfolgte die freie Beübung und Krankengymnastik und nach zehn Monaten war sie nahezu beschwerdefrei, die Beweglichkeit im USG war nur noch gering eingeschränkt.

Röntgenbild (a.p.) postoperativ desselben Sprunggelenks mit vollständiger Resektion der talokalkanearen Koalition (Pfeil).

Die Frau konnte ihre Tätigkeit in der Gastronomie uneingeschränkt fortführen.

Tarsale Koalitionen sind selten, am häufigsten kommen solche zwischen Kalkaneus und Os naviculare sowie zwischen Talus und Kalkaneus vor. Männer seien häufiger betroffen als Frauen, so Muhm. Mit einem bilateralen Auftreten muss gerechnet werden. Ursache sind unvollständige Segmentationen der Gelenkabschnitte in der Embryonalzeit.

Die Beschwerden treten häufig in den ersten beiden Lebensjahrzehnten auf, gelegentlich gibt es Ermüdungsfrakturen. Helfen konservative Maßnahmen nicht, besteht die Indikation zur Resektion mit Interposition von Muskulatur oder Fettgewebe, gegebenenfalls auch die Arthrodese.

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