Ärzte Zeitung, 23.01.2012

Phyto-Forum

Daten zu Hagebutte bei Arthritis uneinheitlich

Daten zu Hagebutte bei Arthritis uneinheitlich

Ein Kollege fragt: Zum Thema Arthrose geistern immer wieder Meldungen zu Effekten von Hagebutte durch die Medien. Ist da etwas dran - wenn ja: welche Aufbereitungen sollen verwendet werden?

Dr. Rainer C. Görne: Hagebutten sind die roten Früchte verschiedener Rosenarten, besonders der Hunds rose (Rosa canina). Die getrockneten Früchte kommen als Fructus cynosbati in den Handel, die Kerne als Semen cynosbati.

Seit alters her wird der Hagebutte eine antientzündliche Wirkung nachgesagt, und verschiedene Zubereitungen wurden zur Behandlung von Entzündungen unterschiedlicher Ursache verwendet.

Das Fruchtfleisch der Hagebutte ist reich an Vitaminen, besonders Vitamin C, aber auch Vitamin A, B1 und B2 und enthält den roten Farbstoff Lycopin, der als Lebensmittelzusatzstoff mit der Nummer E 160d in der EU zugelassen ist.

Lycopin gehört zu den Antioxidantien und gilt als Radikalfänger. Zu Beginn dieses Jahrhunderts wurde aus den getrockneten und gemahlenen Früchten der Hagebutte das Galactolipid (2S)-1,2-di-O-[(9Z,12Z,15Z)-octadeca-9,12,15- trienoyl]-3-O-beta-d-galactopyranosyl-glycerol isoliert.

Es konnte gezeigt werden, dass diese Substanz in vitro hemmende Effekte auf die Chemotaxis humaner neutrophiler Leukozyten ausübt (J Nat Prod 2003; 66: 994). Seither wurden die erhofften antientzündlichen Effekte der Hagebutte diesem Galactolipid zugeschrieben.

In klinischen Studien wurde in den folgenden Jahren Hagebuttenpulver in Form des Produktes Litozin®, welches Galactolipid enthält, bei Patienten mit entzündlichen Gelenkbeschwerden untersucht.

In einer einjährigen Beobachtungsstudie wurde bei einer Verabreichung von Litozin® (entsprechend 3 mg Galactolipid pro Tag) eine tendenzielle Verbesserung bei Patienten mit Knie- und Hüftbeschwerden und Schmerzen der unteren Wirbelsäule beschrieben (Phytother Res 2008; 22: 1141-1148).

In einer doppel-blinden, Placebo-kontrollierten Studie erhielten Pa tienten mit Rheumatoider Arthritis entweder 6 g Hagebuttenpulver oder Placebo für sechs Monate verabreicht.

In dieser Studie wurde bei 89 Patienten ein positiver Effekt des Hagebuttenpulvers auf die Arthritis-bedingten Beschwerden beobachtet (Phytomedicine 2010; 17: 87-93).

In einer offenen, kontrollierten Studie erhielten 20 weibliche Patienten mit Rheumatoider Arthritis 10,5 g Hagebuttenpulver (Litozin®) täglich für 28 Tage. Blutproben wurden zu Beginn und während der Studie analysiert, und die Kapazität der antioxidativen Enzyme Superoxiddismutase, Gluta thionperoxidase, Glutathion-Reduktase und Katalase und der Entzündungsmarker CRP bestimmt.

Durch die Behandlung wurden weder die CRP-Konzentrationen, die Aktivität von antioxidativen Enzymen noch die klinische Symptomatik im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen beeinflusst (Phytomedicine 2011; 18: 953-958).

Somit ist die Datenlage über eine vermutete antientzündliche Wirkung von Zubereitungen aus Hagebutten durchaus als widersprüchlich zu bewerten, wenngleich auch nicht übersehen werden darf, dass die Qualität der Studien ebenfalls sehr different war.

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