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Kniearthrose schadet wohl auch dem Hirn

Eine Arthrose wirkt sich offenbar auch auf andere Organe negativ aus. Das haben Wissenschaftler in Versuchen mit Mäusen herausgefunden, wie sie jetzt auf dem europäischen Rheumatologen-Kongress schilderten. In ihrer Studie bildete sich Alzheimer-Plaques bei Arthrose schneller und ausgeprägter.

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Das Knie schmerzt. Die zugrunde liegende Arthrose sehen Forscher heute als systemische Entzündung.

Das Knie schmerzt. Die zugrunde liegende Arthrose sehen Forscher heute als systemische Entzündung.

© imago / Niehoff

BERLIN (gvg). Die Arthrose wird zunehmend nicht mehr als rein lokale Gelenkerkrankung, sondern als Manifestation einer systemischen Entzündungsreaktion betrachtet. Neue experimentelle Daten untermauern das.

Die These, wonach die Arthrose auch eine systemische Dimension haben könnte, wurde zuerst bei adipösen Patienten formuliert.

Die haben nicht nur ein erhöhtes Risiko für Kniegelenksarthrosen, sondern im Vergleich zur normalgewichtigen Bevölkerung auch ein doppelt so hohes Risiko für Arthrosen der Fingergelenke, was sich nicht ohne Weiteres "mechanisch" erklären lässt.

Systemische Aktivierung inflammatorischer Signalwege nachweisbar

"Aus Tierversuchen wissen wir mittlerweile, dass nicht nur die mit metabolischen Erkrankungen assoziierte Arthrose, sondern auch die posttraumatische Arthrose eine systemische Komponente hat", betonte Professor Francis Berenbaum von der Pierre & Marie Curie University in Paris jetzt beim europäischen Rheumatologen-Kongress (EULAR) in Berlin.

So kommt es beispielsweise bei einem Mausmodell der posttraumatischen Arthrose zu einer systemischen Aktivierung des Komplementsystems. Auch bei nicht-adipösen Arthrosepatienten sei diese systemische Aktivierung inflammatorischer Signalwege nachweisbar, so Berenbaum.

Klinisch relevant könnte das deswegen sein, weil eine chronische systemische Entzündungsreaktion Folgen an anderen Organen nach sich ziehen kann.

Ein möglicher Kandidat für mit einer Arthrose assoziierte Spätfolgen ist das Gehirn. Für viel Aufmerksamkeit haben Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Arthrose und Alzheimer-Erkrankung gesorgt.

Bei einem Mausmodell für die Alzheimer-Erkrankung haben Wissenschaftler experimentell eine Arthrose ausgelöst und sich dann das Gehirn angesehen. Es zeigte sich, dass die Bildung von Alzheimer-Plaques bei den Mäusen mit Arthrose deutlich schneller und ausgeprägter vonstatten ging.

Arthrosepatienten sollen sich regelmäßig bewegen

Beim Menschen ist ein solcher Zusammenhang bisher zwar noch nicht beschrieben. Entsprechende Untersuchungen dürften allerdings nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Bis auf Weiteres sei es jedenfalls sehr sinnvoll, Arthrosepatienten nicht nur eine Schmerztherapie, sondern auch regelmäßige aerobe körperliche Betätigung zu empfehlen, betonte Berenbaum in Berlin.

Das wirke sich einerseits günstig auf die Funktion der von der Arthrose betroffenen Gelenke aus. Anderseits hat Sport antiinflammatorische Wirkungen, sodass damit möglicherweise auch die systemischen Folgen der Arthrose abgemildert werden können.

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