Ärzte Zeitung, 23.04.2014

Arthrose

Hände bloß nicht in den Schoß legen

Eine spezielle Gymnastik mit Gummiball und Bändern kann bei Patienten mit Handarthrose zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden führen. Das legt eine Vergleichsstudie aus Norwegen nahe.

Von Elke Oberhofer

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Arthrose: Gezielte Gymnastik über drei Monate lindert Gelenkschmerzen und bessert die Griffstärke.

© B. Piereck/fotolia.com

SANDVIKA/NORWEGEN. Bewegung trotz Schmerzen tut offenbar nicht nur Gonarthrosepatienten gut, auch Patienten mit einer Arthrose in den Fingern oder im Daumensattelgelenk profitieren möglicherweise von einer gezielten Gymnastik.

Die Europäische Rheuma-Gesellschaft EULAR (European League Against Rheumatism) empfiehlt bei Handgelenksarthrose bereits seit Jahren Übungen, die die Beweglichkeit (ROM, Range of Motion) erhöhen und die Gelenke kräftigen sollen; die Datenlage ist allerdings nicht sehr überzeugend, es mangelte bislang vor allem an randomisierten Studien. Eine solche hat nun ein norwegisches Team vorgelegt.

Das Team aus Ergotherapeuten und Rheumatologen um Toril Hennig vom Martina Hansens Hospital in Sandvika hat für seine Vergleichsstudie 80 Patientinnen randomisiert.

Diese waren im Durchschnitt 61 Jahre alt, wurden seit mindestens drei Monaten wegen einer Arthrose der Hand (Fingergelenke oder Karpometakarpalgelenk I) medikamentös behandelt; dennoch litten alle unter deutlichen Beschwerden, die sie bei ihren Alltagsaktivitäten behinderten.

Gymnastik über drei Monate

Die eine Hälfte der Teilnehmerinnen wurde nun nach dem Zufallsprinzip einer Gymnastikgruppe zugeteilt, die andere bildete die Kontrollgruppe. Das Gymnastikprogramm erstreckte sich über drei Monate.

Die Frauen machten Griffübungen mit einem Gummiball (Durchmesser: 7 cm) und trainierten ihr Daumengelenk mithilfe von Gummibändern. In den ersten zwei Wochen waren drei Übungseinheiten wöchentlich mit jeweils zehn Repetitionen pro Übung vorgesehen, in den darauffolgenden beiden Wochen steigerte sich die Intensität auf zwölf Repetitionen.

Wer es schaffte, konnte dann für den Rest der dreimonatigen Trainingsphase die Übungen 15-mal wiederholen. Im Durchschnitt kamen die Frauen auf 37 Trainingssitzungen à 23,6 Minuten.

Wie Hennig und Kollegen berichten (Ann Rheum Dis 2014; online 25. März), machte sich der Unterschied nach drei Monaten deutlich bemerkbar: Im sogenannten PSFS (Patient-Specific Functional Score) - hier wird auf einer 10-Punkte-Skala die Fähigkeit gemessen, bestimmte Alltagstätigkeiten auszuführen - war die Gymnastik- der Kontrollgruppe mit einem Unterschied von 1,4 Punkten signifikant überlegen.

Während 13 Patientinnen aus der Interventionsgruppe eine Besserung berichteten, waren es in der Kontrollgruppe nur zwei. Bei 24 im Vergleich zu 30 Patientinnen hatte es keine Veränderung gegeben. Über eine Verschlechterung klagten lediglich zwei Patientinnen in der inaktiven Gruppe.

Im Einklang mit der EULAR

In zweiter Linie hatten die Forscher auch Gelenkschmerzen und Griffstärke gemessen. Auch die Ergebnisse zu diesen sekundären Endpunkten sprachen für die Handgymnastik: So hatten die Schmerzen, gemessen auf einer 10-Punkte-Skala (Numeric Rating Scale, NRS), deutlicher abgenommen (p = 0,02), die Griffstärke hatte sich in der linken Hand um 53,5 N gesteigert, rechts um 44,6 N.

In der 10-Punkte-FIHOA- Skala (Functional Index of Hand Osteoarthritis) zur Aktivität lag der Unterschied bei 3,2 Punkten zugunsten der Gymnastikgruppe.

Nach den Kriterien der Fachgesellschaften OMERACT und OARSI hatten auf die Gymnastik 16 Patientinnen angesprochen; in der Kontrollgruppe, die nur eine Informationsbroschüre zum Nutzen ergonomischer Maßnahmen erhalten hatte, waren es zwei.

"Die Ergebnisse zeigen, dass man mit Handgymnastik eine klinisch relevante funktionelle Besserung erzielen kann", resümieren Hennig und Kollegen. Damit sei man im Einklang mit den bisherigen Empfehlungen der EULAR zur Handarthrose.

Die Autoren setzen sich nun dafür ein, das "kostengünstige und effektive Bewegungsprogramm" in die Standardversorgung von Patienten mit Handarthrose aufzunehmen. Hierfür stehen jedoch noch weitere Studien aus, die die Effizienzauch bei Männern und vor allem in einem größeren Kollektiv bestätigen.

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