Ärzte Zeitung, 12.11.2014

Gonarthrose

Abspecken ohne Jojo-Effekt hat Langzeiteffekt

Nicht nur aufs Abnehmen kommt es bei Gonarthrose an, sondern auch darauf, das Gewicht langfristig zu halten. Eine Studie hat nun verglichen, was besser hilft - Diät oder Gymnastik?

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Osteoarthritis: Abspecken reduziert die Schmerzen, wobei übergewichtige Patienten offenbar gut auf eine Diätberatung ansprechen.

© Alexandr Mitiuc / fotolia.com

KOPENHAGEN. Maßnahmen zur Gewichtsreduktion haben in den internationalen Leitlinien zur Gonarthrose höchste Priorität. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass es allein mit dem Abspecken nicht getan ist.

Viele Patienten haben die Kilos innerhalb kürzester Zeit wieder drauf, und die Arthroseschmerzen, die sich zunächst vielleicht gebessert hatten, kehren mit unverminderter Stärke zurück.

Dänische Forscher haben nun gezeigt, dass sich der Effekt des Abnehmens bei Kniearthrosepatienten mit einer professionellen Diätberatung längerfristig aufrechterhalten lässt, mindestens ebenso gut wie mit sportlicher Aktivität, jedoch mit deutlich besserer Compliance.

In der CAROT-Studie* unterzogen sich 192 adipöse Patienten (BMI ab 30) mit schmerzenden Arthroseknien zunächst einem rigorosen 16-wöchigen Abspeckprogramm. Dieses wurde von immerhin 91 Prozent der Teilnehmer erfolgreich absolviert; die Gewichtsabnahme betrug im Schnitt 12,8 kg (Arthr Care Res 2014; online 4. November).

Anschließend wurden die Teilnehmer in drei Gruppen eingeteilt: Gruppe 1 blieb auf Diät und wurde dabei professionell unterstützt, und zwar mit wöchentlichen Beratungssitzungen, in denen kostenlose Formuladiätprodukte ausgeteilt wurden.

Gruppe 2 sollte sich sportlich betätigen. Das Fitnessprogramm umfasste dreimal wöchentlich jeweils eine Stunde Training. Die dritte Gruppe diente als Kontrolle: Sie blieb nach der initialen Gewichtsreduktion sich selbst überlassen.

Diätberatung mit langfristiger Wirkung

Nach einem Jahr war es der Gruppe mit Diätberatung am besten gelungen, ihr Gewicht zu halten: Wie die Forscher um Robin Christensen von der Uniklinik Kopenhagen berichten, brachten die Patienten im Schnitt immer noch 11 kg weniger auf die Waage als zu Studienbeginn.

 In der Kontrollgruppe waren noch 8,2 kg von der Gewichtsreduktion übrig geblieben. Überraschenderweise schnitt die Fitnessgruppe am schlechtesten ab: Hier war die Differenz zum Ausgangswert auf 6,2 kg geschrumpft.

Der Anteil der Patienten, die nach einem Jahr mehr als 10 Prozent vom Ausgangsgewicht verloren hatten, betrug in der Diätgruppe 55 Prozent, in der Trainingsgruppe 27 Prozent und in der Kontrollgruppe 31 Prozent. Bemerkenswert war die Abnahme der Fettmasse in der Diätgruppe: Mit einer durchschnittlichen Menge von 9 kg Fett hatten die Teilnehmer fast doppelt so viel verloren wie die der Sportgruppe.

Das Trainingsprogramm hatte in erster Linie auf die Behandlung der Knieschmerzen abgezielt; Kalorien wurden dadurch nur in relativ geringem Maße verbrannt. Nach Christensen et al. ist das eine mögliche Erklärung für den vergleichsweise geringen Effekt auf das Körpergewicht.

Generell werde jedoch der Effekt von Sport in dieser Hinsicht überschätzt, so die Autoren: Durch ein halbstündiges intensives Training verbrenne man in etwa so viele Kalorien, wie in einem Schokoriegel enthalten sind.

Die Compliance der Arthrosepatienten in der Sportgruppe war zudem recht mäßig: Die noch in der Klinik angebotenen Trainingseinheiten wurden zu 13,5 Prozent wahrgenommen, nach dem geplanten Übergang auf Heimtraining schrumpfte die Teilnahmerate auf 4 Prozent (4 absolvierte Sitzungen von 109 möglichen).

Zum Vergleich: Von den angebotenen Ernährungsberatungsterminen wurden im Schnitt 61,5 Prozent besucht.

Diät und Gymnastik bei Schmerz ähnlich effizient

Im Hinblick auf die Knieschmerzen war das Diätprogramm ähnlich effizient wie die Gymnastik: Nach 68 Wochen betrug die Reduktion auf einer visuellen Analogskala in der Diätgruppe -6,1 mm, in der Trainingsgruppe -5,6 und in der Kontrollgruppe -5,5 mm.

Dies entspricht einer etwa 15-prozentigen Besserung in allen Gruppen. Die Hypothese, dass die Schmerzen umso weniger werden, je mehr an Gewicht man verliert, so Christensen und Kollegen, konnte durch die Studie also nicht bestätigt werden.

Die Ergebnisse sollen keinesfalls ein Argument gegen körperliches Training bei Kniearthrose sein, betonen die Forscher. Auch dieses hatte in der Studie dazu beigetragen, die Symptombesserung beizubehalten.

Angesicht der beobachteten schlechten Compliance bei übergewichtigen Teilnehmern sei es aber sinnvoll, die Wahl der Therapie auch von den Vorlieben der Patienten abhängig zu machen. (eo)

*Das Akronym CAROT steht für Influence of weight loss or exercise on CARtilage in Obese knee osteoarthritis patients Trial

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