Ärzte Zeitung, 30.07.2004

Schäden am Hüft-Knorpel sind mit MR-Arthrographie gut erkennbar

Kontrastmittel wird vor Magnetresonanz-Arthrographie in das Gelenk gespritzt

Von Christian Czerny

MR-Arthrographie bei Labrum-Abriß: Auf der schräg-sagittalen Aufnahme ist das von Kontrastmittel umspülte abgerissene Labrum (Pfeil) zu sehen.
Foto: Ärzte Woche

Hüftschmerzen als Symptom können viele Ursachen haben. Die bildgebende Abklärung erfolgt mit konventionellem Röntgen, Computertomographie und Magnetresonanztomographie (MRT), zum Teil mit intraartikulär injizierten Kontrastmittel (KM).

Seltenere Ursachen für Hüftschmerzen sind Läsionen des Labrum acetabulare (Gelenklippe) oder freie Gelenkskörper. Die radiologische Abklärung dieser Krankheiten erfolgt am besten mit der MRT, und zwar mit der MR-Arthrographie. Hauptindikation zur MR-Arthrographie des Hüftgelenks ist die klinisch vermutete Läsion des Labrum acetabulare. Durch klinische Untersuchungen allein kann es schwierig sein, eine Labrumläsion von anderen Krankheitsbildern zu unterscheiden.

Bei Verdacht auf Labrumläsion ist eine MR-Arthrographie sinnvoll

Eine MR-Arthrographie sollte allerdings nur nach einer genauen fachärztlichen Untersuchung mit gezielter Fragestellung gemacht werden, weil KM in das Gelenk gespritzt werden muß. Weitere Indikationen zur MR-Arthrographie sind unter anderem der Verdacht auf Knorpelschädigungen oder freie Gelenkskörper, also Schäden, die sich mit anderen bildgebenden Methoden schwer oder nicht nachweisen lassen.

Bei der MRT-Arthrographie werden nach einer intraartikulären KM-Injektion von etwa 10 bis 20 ml einer Gadoliniumlösung mehrere Standard- und Spezialsequenzen in mehreren Schnittebenen angefertigt. So können die Untersucher das Gelenk von verschiedenen Blickwinkeln aus betrachten.

Auch Knorpeldefekte und freie Gelenkkörper sind gut zu sehen

In der konventionellen MRT werden das Knochenmark und Gelenksveränderungen dargestellt; labrale Veränderungen sind damit aber deutlich schlechter erkennbar als in der MR-Arthrographie. Auf den MR-arthrographischen Sequenzen lassen sich Knorpeldefekte durch eine in dem Defekt gelegene KM-Ansammlung erfassen. Freie Gelenkskörper werden von KM umspült und sind so leichter zu erkennen.

  • Die Degeneration des Labrums (Labrum Typ 1) stellt sich sowohl in der MRT als auch in der MR-Arthrographie als intralabrale Inhomogenität dar und entspricht pathohistologisch einer mukoiden Verquellung.
  • Der Einriß (Labrum Typ 2) stellt sich als Flüssigkeitsmarkierung dar, die mit MR-Arthrographie deutlich besser erkennbar ist als mit der konventionellen MRT. Denn durch die intraartikuläre KM-Injektion erfolgt eine Distension des Gelenkes, und das KM markiert den Einriß.
  • Das abgerissene Labrum (Labrum Typ 3) wird durch Flüssigkeit (Gelenkserguß oder intraartikuläres KM) vom knöchernen Acetabulum abgegrenzt und umspült.

Wie bereits in derzeit noch laufenden Studien erkennbar ist, dürfte die MR-Arthrographie des Hüftgelenkes bei der Identifizierung freier Gelenkskörper eine ähnliche Sensitivität aufweisen wie bei anderen Gelenken, etwa dem Kniegelenk.

Labrumverletzungen werden mit hoher Sensitivität erkannt

Fazit: Die MR-Arthrographie des Hüftgelenks ist trotz ihrer Invasivität eine relativ einfache und effektive Methode, um Labrumläsionen und freie Gelenkskörper zu erfassen. Die Sensitivität des Nachweises von Labrumläsionen im Vergleich mit den operativen Ergebnissen wird mit 92 bis 95 Prozent bei der MR-Arthrographie und mit etwa 65 Prozent bei der konventionellen MRT angegeben.

Nicht nur in Österreich, auch in Deutschland sind MR-Arthrographien prinzipiell in jeder Praxis und Klink möglich, die ein MRT haben.

Professor Christian Czerny ist Radiologe in der Klinischen Abteilung für Osteoradiologie der Universitäts-Klinik für Radiodiagnostik am Allgemeinen Krankenhaus Wien in Österreich.

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