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Beim Zupacken hilft ein Stoff aus der Raumfahrt

Gehärtete Kohlefaser hat Eigenschaften, die in vielen Bereichen nützlich sind. Zum Beispiel in der Raumfahrt, der Formel 1 und der Fingerendoprothetik. Denn: Das Material ist leicht und abriebarm, aber ähnlich elastisch wie Knochen.

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Zwei wesentliche Faktoren, die die Haltbarkeit einer Gelenksendoprothese begrenzen, sind Materialabrieb und Lockerung der Prothese im Knochen durch ungünstige Scher- und Biegekräfte. Pyrocarbon, eine gehärtete Kohlefaser aus der Raumfahrt, ist aufgrund seiner günstigen Eigenschaften für Fingergrund- und Mittelgelenksersatz sehr gut geeignet.

Weitere Fortschritte der Endoprothetik an Fingergelenken sind ein Prothesendesign mit zwei ungekoppelten Anteilen und die Möglichkeit, sie zementfrei zu verankern, sagt Privatdozent Herrmann Krimmer von der Klinik für Handchirurgie in Bad Neustadt an der Saale im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Schon lange gebräuchlich und bei rheumatoider Arthritis auch noch sinnvoll sind gekoppelte Fingergelenksendoprothesen aus Silikon. Sie sind mit etwa 150 Euro pro Stück kostengünstig. "Für aktive Patienten mit posttraumatischer Arthrose einzelner Fingergelenke sind sie aber nicht belastbar genug", so Krimmer "im Gegensatz zu Pyrocarbon." Das ungekoppelte Design erlaube zudem Roll-Gleitbewegungen, wie sie natürlichen Gelenken entsprechen. So wird das umgebende Gewebe geschont.

Und: Die etwa 1000 Euro kostenden Kohlefaser-Prothesen müssen nicht zementiert werden, was die Haltbarkeit erhöht. Langzeitresultate gebe es mit diesen Implantaten zwar noch nicht, allerdings hat Krimmer bisher gute Erfahrungen gemacht, die er beim Unfallchirurgenkongreß in Berlin vorstellt. Von seinen 32 bisher implantierten Pyrocarbon-Fingermittelgelenken gab es in zwei Jahren nur bei dreien Komplikationen, die eine Versteifung nötig machten. (slp)

Lesen Sie dazu auch: Gelenkprothesen-Op wird immer sanfter

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