Ärzte Zeitung, 12.06.2006

Resorbierbare Stifte für die Schädelchirurgie

Körperschonende Verfahren erleichtern Therapie von Säuglingen / Stifte bei Kiefer-Engstand genutzt

DRESDEN (tra). Stifte aus resorbierbarem organischem Material helfen, auch Knochen im Schädel zu fixieren. Sie werden operativ in angrenzende Knochenränder eingefügt und durch Ultraschall eingeschmolzen.

Wie jetzt beim 56. Jahreskongreß für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in Dresden berichtet wurde, führt das Verfahren zu einer höheren Stabilität und kürzeren Op-Dauer. Nach der Ultraschallbehandlung breiten sich die Stifte im Trabekelwerk des spongiösen Knochens aus. Das berichtete Professor Uwe Eckelt von der Technischen Uni Dresden, wo die Stifte gemeinsam mit dem Unternehmen Gebrüder Martin GmbH aus Tuttlingen entwickelt wurden.

Klinische Anwendungen bei Mittelgesichtsschädel-Frakturen sowie bei der Behandlung von Säuglingen mit Kraniosynostosen, also einem vorzeitigen Verschluß der Schädelnähte, waren erfolgreich. Bei Kindern mit Kraniosynostosen kommt es bekanntlich durch frühzeitige Verknöcherung zu Komplikationen, wenn die Nähte nicht geöffnet werden. Werden resorbierbare Stoffe bei der Operation verwendet, bleibt den Patienten die bei Verwendung von Titan unumgängliche zweite Operation erspart.

Auch bei der Distraktion bei Patienten mit Kiefer-Engstand sind Erfolge zu verzeichnen. Die Therapie erübrigt das Zähneziehen, um Platz im Kiefer zu schaffen. Denn das bewirkt das permanente Dehnen einer künstlichen Wachstumsfuge durch einen eingesetzten Distraktor. Der Kiefer wird zuvor durchtrennt. Im Spalt bildet sich mit der Zeit Kallus. Die Therapiedauer ist überschaubar: für eine Dehnung von zwei Zentimetern werden inklusive Konsolidierungsphase vier Monate veranschlagt. Der Eingriff ist sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern möglich.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »