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Ärzte Zeitung, 09.04.2010

Bei Fibromyalgie-Subgruppe dominieren psychische Störungen

Je nach Krankheitsbild lassen sich Patienten mit Fibromyalgiesyndrom fünf Subgruppen zuordnen. Für die Entwicklung gezielter Therapien könnte das wichtig sein.

NEU-ISENBURG (mar). Bei Patienten mit Fibromyalgiesyndrom haben Forscher fünf Subgruppen mit unterschiedlichen Symptomkonstellationen und psychischer Komorbidität gefunden. Dies könnte künftig dazu genutzt werden, für jede Subgruppe gezielte Therapien zu entwickeln.

Das Fibromyalgiesyndrom hat bekanntlich ein heterogenes Erscheinungsbild. Die Patienten haben außer großflächigen Schmerzen am gesamten Bewegungsapparat einen ganzen Strauß sensorischer Symptome unterschiedlicher Ausprägung wie Kribbeln, erhöhte Temperatur- und Druckschmerzempfindlichkeit. Zudem finden sich häufig psychische Begleiterkrankungen wie Angst, Depression oder Schlafstörungen.

Ziel einer Querschnittsstudie von Forschern um Professor Ralf Baron aus Kiel war es herauszufinden,

  1. wie häufig die Symptome bei den Betroffenen sind und
  2. ob sich Subgruppen mit charakteristischen Symptomkonstellationen identifizieren lassen (Rheumatology, online 17. März).

Anhand von Fragebögen wurden die Daten von 3035 ambulanten Fibromyalgiesyndrom-Patienten in Deutschland erhoben. 87 Prozent der Patienten waren Frauen.

Die Ergebnisse: Eine mäßig oder stark ausgeprägte Depression fand sich bei zwei Dritteln der Patienten. Schlafstörungen gaben mehr als die Hälfte an. Klinisch relevante, starke sensorische Störungen waren erhöhte Druckschmerzempfindlichkeit (58 Prozent), Kribbeln (33 Prozent), Brennschmerz (30 Prozent), erhöhte Schmerzempfindlichkeit auf Temperaturreize (24 Prozent) sowie Allodynie und Taubheitsgefühl (jeweils 20 Prozent). Schmerzattacken traten bei 40 Prozent der Befragten auf.

Die weitere Datenanalyse (Clusteranalyse) ergab fünf Subgruppen mit typischen Symptomkonstellationen: In den Subgruppen 1 bis 4 fanden sich verschiedene Kombinationen sensorischer Störungen, aber keine ausgeprägte psychische Komorbidität. Charakteristisch war für Subgruppe 1 eine starke Hypersensitivität auf Temperaturreize und für Subgruppe 3 eine erhöhte Druckschmerzempfindlichkeit.

In Subgruppe 4 dominierten Schmerzattacken und erhöhte Druckschmerzhaftigkeit. Für Subgruppe 2 waren starkes Kribbeln und das Fehlen von Temperatur- und Druckschmerzempfindlichkeit typisch. In der Subgruppe 5 dagegen waren sensorische Störungen kaum ausgeprägt, hier dominierten psychische Störungen wie Depression und Schlafstörungen.

Die Ergebnisse der Studie, so die Autoren, könnten dazu beitragen, für die einzelnen Subgruppen maßgeschneiderte Therapien zu entwickeln und somit die Behandlung der Betroffenen zu optimieren.

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