Ärzte Zeitung, 09.12.2010

Stürze im Alter durch Kristalle im Innenohr

Wenn es alten Menschen schwindelt, stürzen sie leicht. Meist entsteht Schwindel bei ihnen, weil sich kleine Kristalle im Gleichgewichtsorgan lösen. Durch Übungen mit ruckartigen Bewegungen lagern sie sich wieder an.

Von Ingeborg Bördlein

Stürze im Alter durch Kristalle im Innenohr

Wenn Otokonien im Gleichgewichtsorgan des Innenohres durcheinander kommen, gibt es heftigen Schwindel.

© ingenium-design.de / fotolia.com

MANNHEIM. Jeder Dritte über 65 Jahre und jeder Zweite über 80 Jahre stürzt einmal im Jahr. Der Grund ist oft ein gestörter Gleichgewichtssinn. Die Folgekosten von Stürzen seien immens, sagte Privatdozent Leif Erik Walther aus Sulzbach im Taunus bei einem Symposium der HNO-Fortbildungsgesellschaft in Mannheim. Bei jedem Fünften komme es durch den Sturz zu schwerwiegenden Verletzungen und letztlich zu Pflegebedürftigkeit. Daher sei es wünschenswert, wenn die Krankenkassen verstärkt Maßnahmen zur Sturzprophylaxe bei älteren Patienten unterstützen würden.

90 Prozent aller Stürze seien lokomotorisch bedingt, ereigneten sich also in der Bewegung - meist beim Aufstehen oder Laufen. Außer Medikamenten - wer mehr als fünf Präparate täglich einnimmt, hat ein höheres Sturzrisiko - sind Visusminderungen und Gleichgewichtsstörungen die hauptsächlichen Ursachen von Stürzen.

Die häufigste Form des "Altersschwindels" ist der Lagerungsschwindel. Altersbedingte Strukturveränderungen des Gleichgewichtsorgans im Innenohr führten dazu, dass sich kleine Kristalle, sogenannte Otokonien, im Gleichgewichtsorgan lösen und einen zwar kurzen, aber heftigen Drehschwindel bewirken. Dieser Schwindel sei zwar gutartig, habe aber eben häufig riskante Stürze zur Folge. Wird die Diagnose nicht rechtzeitig gestellt und die Therapie verzögert, stürzten 70 Prozent aller Patienten erneut.

Erfassen lässt sich das Sturzrisiko mit einem Test, den üblicherweise der HNO-Arzt macht: dem Tinetti-Test. Dabei bestimmt er über einen Punktescore Stand, Stabilität und Bewegung der Patienten.

Für diese Schwindelform gibt es eine "Therapie mit nahezu 100-prozentigem Erfolg", sagte Professor Karl-Friedrich Hamann aus München. Durch Lagerungsübungen des Patienten mit kurzen ruckartigen Bewegungen lagern sich die gelösten Kristalle wieder im Gleichgewichtsorgan an. Allerdings dauere diese Behandlung 45 Minuten und sei damit recht zeitaufwendig.

Hamann zufolge werden 70 Prozent der Patienten bereits nach einer Sitzung beschwerdefrei, oder es stellt sich eine deutliche Besserung ein. Diese Therapie sei sinnvoll, könne jedoch nur als IGeL-Angebot geleistet werden, sagte Hamann.

[09.12.2010, 11:40:32]
Margarita Moerth 
Mit Schwindel gegen Schwindelattacken
Ich habe selbst an den geschilderten Schwindelattacken gelitten. Allerdings war ich damals alledings noch nicht einmal 30 Jahre alt und der Schwindelanfall ereilte mich erstmals infolge einer sehr raschen Kopfdrehung - beim Autofahren!
Zum Glück war ich in einer Nebenstraße unterwegs, konnte das Abklingen des Anfalls abwarten und dann den Wagen sogar noch einparken.
Mein damaliger Hausarzt wusste nach kurzem Telefon-Gespräch, worum es sich handeln dürfte. Er riet mir, den Anfall zu Hause wiederholt immer wieder durch rasche Kopfbewegungen zu provozieren. Mir wurde zwar während dieser Übungen hundeübel, doch tatsächlich war der Spuk nach etwa einer Stunde vorbei. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »