Ärzte Zeitung, 06.06.2011

Keine Beweise, dass Sport Endoprothesen lockert

Sport tut auch Endoprothesenträgern gut. Doch bedarf es einer guten Beratung über die geeignete Sportart.

Von Ingeborg Bördlein

Bisher ist nicht bewiesen, dass Sport Endoprothesen lockert

Bewegung und Sport auch für Träger einer Endoprothese .

© Patrizia Tilly / fotolia.com

HEIDELBERG. Immer häufiger werden Ärzte mit der Frage von Endoprothesenträgern konfrontiert, ob sie denn Sport treiben dürfen. Die Gründe: Zunehmend jüngere Patienten mit sekundärer Arthrose werden mit einer Total-Endoprothese (TEP) versorgt, und ältere agile Patienten mit einem Gelenkersatz wollen nicht auf Sport verzichten.

Grundsätzlich sei eine sportliche Betätigung zu befürworten, sagte der Heidelberger Sportorthopäde Dr. Nikolaus Streich bei einer Veranstaltung des Interdisziplinären Zentrums für Sport- und Bewegungsmedizin an der Uni Heidelberg.

Vorausgehen sollte jedoch eine "sehr individuelle" ärztliche Beratung. Dabei sei die Berücksichtigung des Prothesentyps wichtiger als das Alter des Patienten, so Streich.

Krafttraining der Reha sollte fortgesetzt werden

Das in den Reha-Einrichtungen angebotene Krafttraining sollte in jedem Fall dauerhaft fortgeführt werden, riet der Sportorthopäde.

Für sportliche Aktivität gibt es gute Gründe: die zu erzielende Funktionsverbesserung des betroffenen Gelenks durch Muskelaufbau, eine Verbesserung von Koordination und Gangbild, psychosoziale Faktoren wie etwa die Akzeptanz im Freundes- und Kollegenkreis sowie, der Abbau von Ängsten und Depression.

Gegenargumente sind die mangelnde Anpassungsreaktion bei avitalem Material, die Luxations- und die erhöhte Abriebgefahr. Als häufigste Risiken werden das Lockerungsrisiko durch Knochenumbauvorgänge im Implantatlager oder Reaktionen des Knochengewebes auf das Fremdmaterial und Abrieb der Endoprothese angesehen.

Diese Fragestellungen seien jedoch noch nicht hinreichend wissenschaftlich untersucht, sagte der Orthopäde. Es gäbe keinen Beweis dafür, dass das Lockerungsrisiko durch Sport erhöht werde. Im Gegenteil seien erfahrungsgemäß Wechseloperationen bei Sportlern eher selten durch eine Verbesserung der Knochenlagerung und -dichte.

Sport frühestens sechs bis neun Monate nach der Op

Generell seien die Fragen "Sport - ja oder nein?" und "Welcher Sport für welchen Prothesenträger?" sehr individuell und nur nach eingehender fachärztlicher Beratung zu entscheiden. Grundsätzlich gilt, dass Hüft-TEPs stärker belastbar sind als Knie-Endoprothesen.

Mit dem Sport nach einer TEP sollte frühestens 6 bis 9 Monate nach der Op begonnen werden. Das Implantat müsse stabil verankert sein, und es dürfe kein Ruhe- und oder Belastungsschmerz vorliegen.

Weitere orthopädische Voraussetzungen: ein funktionelles Gangbild, eine adäquate Muskelfunktion und ein ausreichender Bewegungsumfang (Extension bis 0). Natürlich müssten auch stabile Herz- und Kreislaufverhältnisse gegeben sein, betonte der Orthopäde.

Eindeutig nicht indiziert ist Sport bei einer Gelenkinfektion, einer Implantatlockerung, einer Gelenkinstabilität und bei Muskelinsuffizienz. Übergewicht und Zustand nach einer TEP-Wechseloperation sieht Streich als relative Kontraindikationen an: Hier müsse individuell entschieden werden.

Generell zu vermeiden sind abrupte Rotationsbewegungen über 20 Grad, extensive Adduktionsbewegungen wie Scheren oder Kreuzen der Beine und hohe Belastungsspitzen durch Sprünge. Auch das Joggen mit stetig sich wiederholender axialer Stauchungsbelastung ist Streich zufolge nur bedingt für Endoprothesenträger geeignet.

Besonders empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention deshalb Ausdauersportarten wie Schwimmen (besonders Kraulen), Radfahren, Wandern, Walking (mit Stöcken), Aquajogging, Gymnastik und Rudern. Als weniger geeignet gelten Skilanglauf, Golf, Tennis, Tischtennis, Kegeln und Reiten.

Bei Knieendoprothesen, die durch erhöhte Kraftübertragung auf das Implantat und den angrenzenden Knochen wesentlich vulnerabler sind, gelten strengere Indikationen: Für diese Patienten empfehlen Sportmediziner vor allem gelenkschonende Ausdauersportarten wie Schwimmen und Aquajogging, Radfahren, individuell angepasste Gymnastik, Wandern und Walking.

[07.06.2011, 05:05:49]
Norbert Meyer 
Trainingsvariante für TEP MFT
Besten bewährte sich bisher immer bereits weit vor der Op die achsengerechte funktionelle körperganzheitliche adäquate Anwendungen gegen vorhandenen muskuläre Dysbalancen unter besonderer Einbeziehung der passiven Systeme.Das funktionelle Haltungs - Bewegungsschema ist verlernt und wird neu psychoaktiv mobilisiert, oft war der Pat.wieder so fit,so das auf die zwangsweise angesetzte Reha verzichtet hätte werden können!
Das Programm nach der TEP wieder aufgenommen zeigte Kraftenwicklungen in Beweglichkeitsbereichen, jenseits aller medizinischen Vorgaben
Medizinisches Fuktionstrainig ist jedoch keine Massenabfertigung und der Heilmittelkatalog gibt es direkt nicht her(Indikationsschlüssel)!
Kreative verordene Ärzte sind gefragt oder Hinterfragende, offensichtlich findet keine echte Auswertung statt,hier wartet ungenutztes Potenzial. zum Beitrag »
[06.06.2011, 22:08:08]
Peter Herrchen 
Motivation für alle Endoprothesenträger
Der Beitrag sollte allen Mut machen, sich sportlich zu betätigen trotz Endoprothesen. Oft ist es ja erst nach der Operation wieder möglich geworden Sport zu treiben. Dass dafür natürlich die körperlichen Voraussetzungen und die enstprechende Wartezeit nach der OP notwendig sind versteht sich dabei von selbst. Was aber nach intensivem und teilweise auch sporttherapeutischem Training, auch mit 2 Hüft-TEPs möglich ist, kann in meinem Blog http://endoprothese.wordpress.com ausführlich nachgelesen werden. In meinem Fall ist auch das Joggen zumindest bisher kein Problem. Selbstverständlich ist die Entscheidung ob Sport und welcher Sport eine ganz individuelle - wie Sie in Ihrem Artikel völlig zu recht darstellen - und sollte daher immer mit dem fachärztlichen Rat einhergehen. zum Beitrag »

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