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Ist der Bandscheibenvorfall eine Virusinfektion?

Griechische Orthopäden haben Herpesviren im Bandscheibengewebe von Patienten gefunden, die sich wegen eines Diskusprolaps hatten operieren lassen.

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Schematische Darstellung eines Bandscheibenvorfalls in der Lendenwirbelsäule.

Schematische Darstellung eines Bandscheibenvorfalls in der Lendenwirbelsäule.

© psdesign1 / fotolia.com

NEU-ISENBURG (MUC/eb). Sind Herpesviren, wenn vielleicht nicht unbedingt der entscheidende, so doch ein mitverursachender Faktor für die Degeneration von Bandscheiben? Anhaltspunkte dafür hat nun eine Arbeitsgruppe von der Orthopädischen Universitätsklinik in Heraklion auf Kreta gefunden.

Die griechischen Wissenschaftler hatten nach Spuren von Viren-DNA in den Gewebetrümmern von Bandscheiben gesucht, die von 16 wegen eines Prolaps operierten Patienten stammten (J Bone Joint Surg Br 2011; 93-B: 1253).

Als Kontrollen dienten zwei Patienten mit Berstungsfrakturen thorakolumbaler Wirbel. Sie waren einverstanden gewesen, dass ihnen während der nötigen Operation Diskusgewebe entnommen wurde.

Herpes-Virus in 13 Proben gefunden

In 13 Proben der Prolapspatienten fand sich mindestens ein Vertreter der Herpesklasse, am häufigsten Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1, 56 Prozent), gefolgt vom Zytomegalievirus (CMV, 38 Prozent).

Negativ waren die Proben auf Herpes-simplex-Virus Typ 2, Varicella-Zoster-Virus, Epstein-Barr-Virus und die Humanen Herpesviren 6, 7 und 8.

Die Kontrollgewebe waren durchwegs negativ. Keiner der Probanden litt an einem akuten Infekt, was sowohl serologisch wie durch molekulare mRNA-Tests belegt wurde.

Mögliche Erklärung: Hohe Prävalenz von HSV-1-Infektionen in der Kindheit

Wie aber kommt das Virus in die Bandscheiben, die bei Erwachsenen frei von Gefäßen sind? Die griechischen Wissenschaftler verweisen auf die Kindheit, in der die intervertebralen Disci noch einige Jahre vaskularisiert sind, und die Durchseuchung mit HSV-1.

"Die hohe Prävalenz von HSV-1-Infektionen in der Kindheit könnte ebenso wie die Retention der Viren im Nervensystem ausreichend erklären, wie HSV-1 und CMV ins Bandscheibengewebe gelangen", so die Forscher.

Komme es zu Entzündungen oder Läsionen der Disci, würden die latenten Viren aktiviert und trügen zur weiteren Degeneration bei.

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Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler 26.09.201114:46 Uhr

Fettdruck vs. Dünndruck

Der Titel in Fettdruck: "Herpes virus infection can cause intervertebral disc degeneration" steht ohne Fragezeichen! Dann im Dünndruck weiter "A causal relationship?"

Wenn man in operativ entfernten Bandscheiben-Gewebetrümmern Virusmaterial wie HSV-1 und CMV mittels PCR nachweisen will, sind sekundäre Kontaminationen nie auszuschließen. Und sollte es eine "low-grade infection" sein, dann wäre die Folge wohl kaum eine "Degeneration" sondern histologisch eine wie auch immer geartete Entzündungsreaktion. Ich befürchte, hier will sich jemand von der griechischen Insel Kreta ins medizinpublizistische Rampenlicht drängeln.

Mf+kG, Dr. med. Schätzler, FAfAM Dortmund

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