Selbst Hand anlegen lindert Nackenschmerz

Eigene Übungen helfen praktisch ebenso gut gegen Nackenschmerzen wie Chirotherapie - und besser als Medikamente.

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Patienten mit unspezifischen Nackenschmerzen können sich mit physiotherapeutischen Bewegungsübungen selbst gut helfen.

Patienten mit unspezifischen Nackenschmerzen können sich mit physiotherapeutischen Bewegungsübungen selbst gut helfen.

© ArTo / fotolia.com

MINNEAPOLIS (rb). Mit physiotherapeutischen Bewegungsübungen, die von den Patienten nach Anleitung selbstständig ausgeführt werden, lassen sich Nackenschmerzen bestens behandeln. Auch die Hände des Chiropraktikers können nicht viel mehr bewirken, und eine alleinige Therapie mit Medikamenten schon gar nicht.

Dr. Gert Bornfort von der Northwestern Health Sciences University in Minneapolis hatte zusammen mit seinen Kollegen für eine Studie 272 Patienten rekrutiert, die seit zwei bis zwölf Wochen an unspezifischen Nackenschmerzen laborierten (Ann Intern Med. 2012; 156: 1).

Die Probanden wurden auf drei Therapiegruppen randomisiert: Sie bekamen entweder Medikamente (nicht-steroidale Antirheumatika, eventuell auch Opioide und Muskelrelaxanzien), wurden zum Chiropraktiker geschickt oder erhielten eine zweistündige physiotherapeutische Unterweisung in die Selbstmobilisierung des Nacken- und Schulterbereichs.

Der Erfolg der einzelnen, jeweils zwölfwöchigen Behandlungen wurde über ein Jahr hinweg beobachtet und dokumentiert.

Arzneimittel brachten den geringsten Erfolg

Am wenigsten wirksam war die alleinige Arzneitherapie. Nur jeder dritte Patient gab nach zwölf Wochen an, seine Schmerzen hätten um mehr als 75 Prozent abgenommen.

In der Chirotherapiegruppe waren dies knapp 57 Prozent und in der Gruppe, die ihre Beschwerden selbst behandelte, 48 Prozent - die Differenz zwischen den letzten beiden Gruppen war indes nicht signifikant.

Sowohl die Chirotherapie als auch die selbst ausgeführte Physiotherapie waren der ausschließlich medikamentösen Behandlung auch über das gesamte folgende Jahr hinweg überlegen, was den Grad der Nackenschmerzen anging. Hingegen gab es zwischen der Chiro- und der Do-it-yourself-Physiotherapie zu keinem Zeitpunkt einen signifikanten Unterschied.

Vorlieben des Patienten berücksichtigen

In einem Kommentar zur Studie weisen die beiden australischen Ärzte Dr. Bruce Walker (Murdoch University) und Dr. Simon French (University of Melbourne) auf ein zwar geringes, aber belegbares Risiko hin: Unter einer Chirotherapie am Nacken kann mit ruckartigen, schnellen Bewegungen ein Schlaganfall ausgelöst werden - bedingt durch eine Dissektion der Arteria vertebrales (Ann Intern Med. 2012; 156: 52).

Darüber müsse man die Patienten informieren, betonen die beiden Mediziner, die übrigens selbst chiropraktisch tätig sind.

Angesichts der geringen Unterschiede in den Erfolgsraten empfehlen sie Ärzten, bei der Wahl der Behandlung von Nackenschmerzen nicht zuletzt die Vorlieben ihrer Patienten zu berücksichtigen.

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Kommentare
Dr. Fritz Gorzny 11.01.201219:16 Uhr

Häufig sind die Augen schuld

Unser Augenpaar ,das als beweglich vor die Schädelkalotte gelegener Hirnteil konjugiert, assoziiert und gleichzeitig im Takt von Millisekunden gezwungen ist die gesamte Umwelt und wichtige Objekte zu fixieren und zu fusionieren, ermüdet , wenn ungleiche Brechkraft oder latente Fehlstellungen einen erhöhten Energiebedarf erzwingen. Das System verlagert die Fehlbelastung dann auf die Nackenmuskulatur im Sinne von Kopfzwangshaltung, die zu Verspannungen und HWS -Syndrom führen.Eine optimale Brillenkorrektion u.U. mit Prismengläsern schaffen Abhilfe. Einen ähnlichen Effekt haben falsche Position des Bildscheirms bei der Arbeit am PC. Ein zu hoch positionierter Bildschirm bewirkt eine Überstreckung des Nackens mit HWS-Syndrom, Kopfschmerzen und Ermüdung. Bildschirmarbeit ist Lesearbeit und die führen wir auf Dauer nur bei Blicksenkung durch. Die besten Arbeitsbedingungen bietet der Laptop.

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