Ärzte Zeitung, 24.01.2012

Bei Tendinopathie nicht zu früh ins Training

Aktive Sportler schleppen Quadriceps- und Patellasehnenprobleme oft jahrelang mit sich herum. Dabei ist die Prognose bei frühzeitigem Behandlungsbeginn recht gut. Wichtig ist, die Zeit der Sportkarenz konsequent einzuhalten.

Bei Tendinopathie nicht zu früh ins Training

Besonders Basketballspieler sind von Tendinopathien betroffen.

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BERLIN (ner). Betroffen von Tendinopathien der Quadriceps- und Patellasehne sind vor allem Volley- und Basketballer, Sportler aus Sprungsportarten sowie Gewichtheber, bei denen der Streckapparat mit entscheidend für die Leistungsfähigkeit ist.

Außer äußeren Bedingungen für die Überlastungserscheinungen wie harte Trainingsuntergründe und übermäßige Trainingsintensitäten sind auch intrinsische Faktoren für das Auftreten degenerativer Prozesse an den Sehnen bedeutsam.

So sollen die verschiedenen Normvarianten des distalen Patellapols mit der Häufigkeit des Auftretens der Beschwerden korrelieren, berichtete Professor Holger Schmitt aus Heidelberg beim Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) in Berlin. Bei etwa 60 Prozent der Athleten würden Neovaskularisationen an der Patellaspitze auftreten.

Kein klarer Algorithmus für die Therapie vorhanden

Diese Erkenntnisse sind Gründe für verschiedene, mehr oder weniger neue Behandlungsversuche wie Infiltrationen, Gefäßsklerosierungen oder Patellaspitzenresektionen. Allerdings gibt die Studienlage bei detaillierter Betrachtung keinen klaren Algorithmus oder Goldstandard her.

Generell sind Tendinopathien wie auch Partialrupturen der Quadriceps- und Patellasehnen Domänen der konservativen Therapie, auch wenn bei Leistungssportlern unter Umständen auch schon Mal eine Partialruptur genäht wird. Grundprinzipien der konservativen Behandlung bei Tendinopathie sind die Belastungsreduktion sowie - je nach Phase der Entzündung - Kälte- oder Wärmebehandlung.

Kommt der Patient bereits am zweiten Tag nach Beschwerdebeginn zum Arzt, kann die Trainingspause vergleichsweise kurz gehalten werden, kommt er allerdings erst nach acht Wochen, ist womöglich für vier Wochen eine komplette Sportkarenz angezeigt.

 Es sei sehr wichtig, die Sportler nicht zu früh wieder ins Training einsteigen zu lassen, betonte Schmitt. Das Verständnis dafür sei bei Trainern und Sportlern oft nur gering, zumal im Alltag oft keine Beschwerden bestehen, sondern nur unter Belastung. Damit werde den Betroffenen die Ernsthaftigkeit der Problematik kaum bewusst, manche quälen sich zwei, drei Jahre mit den immer wieder auftretenden Beschwerden.

Zur Sportkarenz hinzu kommen durchblutungsfördernde Maßnahmen wie Massagen und Elektrotherapie. Einzelne Studien haben günstige Auswirkungen des Tapings sowie der Stoßwellen-Behandlung ergeben. Günstig wirkt sich ein exzentrisches Krafttraining mit zusätzlicher Dehnung aus, so das Resultat einer aktuell publizierten Studie.

Infiltration wissenschaftlich nicht untermauert

Kritisch äußerte sich Schmitt zum derzeitigen Trend, zu versuchen, durch Infiltrationen, etwa mit Plättchen-angereichertem Plasma oder mit Wachstumsfaktoren, den Heilungsprozess zu beschleunigen. In kontrollierten Studien seien keine objektiven Ergebnisunterschiede zwischen den Vergleichsgruppen festgestellt worden, wenn auch die Patienten nach Injektionen subjektiv zum Teil zufriedener waren.

Auch die sonografisch gestützte Sklerosierungsbehandlung mit Polidocanol habe sich nicht signifikant besser im Vergleich zu Kontrollpatienten erwiesen, sagte Schmitt. Der Sinn von Infiltrationen an der Quadriceps- und Patellasehne ist damit - zumindest im Moment - wissenschaftlich nicht untermauert.

Dennoch kann mit den üblichen konservativen Methoden 80 bis 90 Prozent der Sportler geholfen werden. Wenn nicht, kommen arthroskopische oder offene Operationen infrage. Eindeutige Standards gibt es allerdings auch bei der chirurgischen Behandlung nicht.

Diskutiert werden die Resektion des distalen Patellapols und das Débridement der Sehne sowie des Sehnengleitgewebes. Es wird von guten und sehr guten Ergebnissen bei der überwiegenden Zahl der Patienten berichtet.

Ein Erfolgsfaktor der Chirurgie mag in dem unter Sportmedizinern geflügelten Satz beschrieben sein: Die Operation ist die teuerste Form der Ruhigstellung.

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