Ärzte Zeitung, 05.10.2012

Osteopathie

Verbandschefin will Berufsgesetz

WEIMAR (dpa). Osteopathie liegt im Trend. Als Folge der stark gestiegenen Nachfrage nach diesem alternativmedizinischen Behandlungsverfahren herrsche auf dem Anbietermarkt ein für die Patienten schwer zu durchschauender Wildwuchs, kritisierte der Verband der Osteopathen Deutschland (VOD) am Donnerstag in Weimar.

Dazu trügen auch gesetzliche Kassen bei, die Osteopathie zunehmend als Zusatzleistungen anböten, sagte die VOD-Rechtsexpertin Sylke Wagner zum Auftakt eines internationalen Kongresses mit 400 Teilnehmern aus 14 Ländern. "Das Problem sind die völlig uneinheitlichen Qualitätskriterien", so Wagner.

Rund drei Millionen Mal behandelten die 2400 VOD-Mitglieder jährlich Osteopathen. Sie untersuchen und behandeln ihre Patienten ausschließlich mit den Händen. Sie nutzen dafür spezielle Grifftechniken.

Nachgefragt werde dies vor allem von Menschen mit langer Krankengeschichte, die erfolglos schulmedizinisch behandelt würden, sagte VOD-Präsidentin Marina Fuhrmann.

Die Verbandschefin verlangte eine staatliche Qualitätssicherung für Osteopathie. "Das geht nur mit einem Berufsgesetz, das verbindliche Ausbildungsstandards festschreibt."

Verfahren in Fachwelt umstritten

Unter anderem die Techniker Krankenkasse (TK) und einige Betriebskrankenkassen bieten für ihre Versicherten unter bestimmten Bedingungen die Übernahmen der Kosten für eine osteopathische Behandlung an.

Die TK etwa übernimmt nach Angaben einer Sprecherin die Kosten für die Leistungen nur dann, wenn sie von Osteopathen mit mindestens 1350 Stunden Ausbildung erbracht werden.

Die Wirksamkeit der Behandlungsmethode ist in der Fachwelt umstritten. Die Bundesärztekammer hatte im Jahr 2009 osteopathische Verfahren bewerten lassen und war zu dem Schluss gekommen, dass einigermaßen zuverlässige Aussagen zur Wirksamkeit nur bei wenigen Erkrankungsbildern vorliegen, im Wesentlichen bei chronischen Schmerzsyndromen der Wirbelsäule.

Der Präsident der Landesärztekammer Thüringen, Matthias Wesser, sagte am Donnerstag, Teile der Osteopathie seien auch in die ärztliche Aus- und Weiterbildung integriert, etwa bei Fachärzten für physikalische und rehabilitative Medizin. "Das betrifft vor allem die manuelle Therapie."

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