Ärzte Zeitung online, 15.10.2013

Bei Jugendlichen

Oft ist Op nach Knochenbrüchen unnötig

Auch bei Hüftdysplasie oder etwa Klumpfuß müssen Kinder und Jugendliche immer seltener unters Messer.

BERLIN. Bis zum 18. Lebensjahr erleidet jeder Vierte mindestens einen Knochenbruch. Zwar liegt die Zahl der Frakturen damit deutlich höher als bei Erwachsenen, junge Patienten müssen jedoch sehr viel seltener operiert werden.

Meist betreffen Frakturen bei Jugendlichen ja die langen Röhrenknochen - am häufigsten die Knochen im Unterarm.

Die Lage des Bruchs und die Verschiebung der Frakturen entscheiden darüber, ob operiert werden muss.

Fraktur mit Fehlstellung: Das wächst sich oft aus

"Sogenannte Wulst- und Grünholzbrüche, bei denen der Knochen nur wenig oder gar nicht verformt ist, können wir in der Regel konservativ behandeln", wird Privatdozent Dirk Sommerfeldt, Leiter der Sektion Kindertraumatologie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), in einer Mitteilung vorab zum Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) zitiert.

Auch Brüche, die mit einer Fehlstellung einhergehen, müssten nicht immer operiert werden. Dies gelte vor allem für Ober- und Unterarm.

Je jünger der Patient ist und je näher die Fraktur an einer noch aktiven Wachstumsfuge liegt, desto eher wachsen sich Fehlstellungen von selbst wieder aus.

"Das Längenwachstum der Knochen beim Kind wirkt begradigend, sodass sich einige Fehlstellungen von selbst ausgleichen", so Sommerfeldt vom Altonaer Kinderkrankenhaus in Hamburg.

Orthopäden bei Hüftdysplasie erfolgreich

Auch bei orthopädischen Erkrankungen wurden konservative Behandlungskonzepte mit großem Erfolg entwickelt und eingeführt. Insbesondere bei Fehlstellungen der Hüfte, wie der Hüftdysplasie, erzielen Orthopäden große Therapie-Erfolge.

Entscheidend sei die Früherkennung, erinnert Professor Rüdiger Krauspe, Direktor der Orthopädischen Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf, in der Mitteilung.

Im Alter von vier bis sechs Wochen würden daher alle Säuglinge in Deutschland per Ultraschall daraufhin untersucht. Kinder mit auffallenden Befunden könnten so in über 90 Prozent der Fälle konservativ und vor allem ambulant behandelt werden.

"Deutlich weniger Korrektureingriffe nehmen Ärzte auch beim Klumpfuß vor", ergänzt Krauspe.

Die Ponseti-Methode, eine weitgehend konservative Behandlung, verlaufe aber nur dann erfolgreich, wenn ein erfahrener Kinderorthopäde die Betroffenen betreue und die Eltern die Therapievorgaben gemeinsam mit ihrem Kind konsequent durchführen.

Denn die Klumpfußschiene müsse über vier bis fünf Jahre hinweg jede Nacht angelegt werden. (eb)

Infos zum Kongress: www.dkou.de

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