Ärzte Zeitung, 10.12.2013

Nur kurzfristiger Nutzen

Kortison bei Karpaltunnelsyndrom begrenzen!

Bei leichteren Formen des Karpaltunnelsyndroms können Kortisoninjektionen kurzfristig Besserung bringen. Längerfristig ist der Nutzen dieser Behandlung aber bescheiden.

Von Beate Schumacher

Kortison begrenzen!

Karpaltunnelsyndrom: Längerfristig ist der Nutzen von Kortikosteroidinjektionen bescheiden.

© elvira gerecht / fotolia.com

HÄSSLEHOLM. Zur Wirksamkeit von Kortikosteroidinjektionen in den Karpaltunnel lagen bislang nur zwei randomisierte placebokontrollierte Studien vor: Beide zeigen einen Nutzen, allerdings nur über einen Monat, länger wurden die Patienten nicht verfolgt.

Schwedische Ärzte haben deswegen eine randomisierte placebokontrollierte Studie mit einer Laufzeit von einem Jahr aufgelegt (Ann Intern Med. 2013; 159: 309).

Beteiligt waren 111 Patienten mit leichtem bis mittelschwerem idiopathischen Karpaltunnelsyndrom (KTS), bei denen die Schienung des Handgelenks keine Besserung gebracht hatte.

Jeweils 37 Patienten erhielten eine Injektion von 80 oder 40 mg Methylprednisolon oder Kochsalzlösung. Der Einstich erfolgte 1 cm proximal von der Handgelenkfalte.

Zehn Wochen später waren die typischen Beschwerden, erfasst mit dem CTS Symptom Severity Score, in beiden Verumgruppen stärker zurückgegangen als in der Placebogruppe: von anfangs 3,0 um 0,90 (80 mg Methylprednisolon) bzw. 1,17 (40 mg Methylprednisolon) im Vergleich zu 0,30 mit Placebo.

Mittlere bis große Effektstärke

Den Studienautoren um Dr. Isam Atroshi zufolge handelt es sich dabei um eine "klinisch wichtige" Verbesserung, die einer mittleren bis großen Effektstärke entspricht.

Auch in den Punkten Behinderung von Arm, Schulter und Hand sowie Schmerz und Behandlungszufriedenheit schnitten die mit dem Steroid behandelten Patienten signifikant besser ab als die Kochsalzgruppe.

Eine Subgruppenanalyse ergab außerdem, dass Patienten mit stärker beeinträchtigter Nervenleitfähigkeit eine größere symptomatische Besserung erfuhren.

Der Behandlungserfolg war aber häufig nicht von Dauer. Innerhalb eines Jahres wurde auch in den Steroidgruppen bei 73 bzw. 81 Prozent der Patienten eine Spaltung des Karpaltunnels vorgenommen.

Damit lag die Op-Rate nur in der 80-mg-Methylprednisolon-Gruppe signifikant niedriger als in der Placebogruppe mit 92 Prozent. Die Zeit zwischen Spritze und Eingriff war jedoch in beiden Verumgruppen verlängert.

Als Nebenwirkungen der Kortisonbehandlung wurden lediglich leichte Schmerzen und lokale Schwellungen registriert.

Op meist nicht zu vermeiden

Den Studienautoren zufolge ist es fraglich, ob die geringen Unterschiede im Hinblick auf die Operation Steroidinjektionen als Routinebehandlung des idiopathischen KTS rechtfertigen können.

"Methylprednisolon reduziert zwar Beschwerden und Operationsraten, aber drei von vier Patienten müssen trotzdem innerhalb eines Jahres operiert werden."

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