Nach Operation

Turboentlassung macht oft Probleme

Jeder dritte Patient, der binnen 24 Stunden nach einem bauchchirurgischen Eingriff entlassen wird, hat noch Monate später Probleme, von denen der Chirurg nichts mitbekommt. Das zeigt eine kanadischen Studie.

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Vor allem Älteren tut man keinen Gefallen, wenn man sie sofort nach einer Bauch-Op entlässt.

Vor allem Älteren tut man keinen Gefallen, wenn man sie sofort nach einer Bauch-Op entlässt.

© spotmatikphoto/fotolia.com

QUEBEC. Diesogenannte "Short-stay Surgery", bei der Patienten noch am Operationstag oder spätestens nach 24 Stunden aus der Klinik entlassen werden, macht in den USA bereits 70 Prozent aller elektiven Eingriffe aus.

Zunehmend machen die Turboentlassungen auch hierzulande Schule; dabei ist bisher kaum untersucht, welche Auswirkungen dies auf die Genesung der Patienten hat.

Chirurgen um Dr. Tung T. Tran von der McGill-Universität in Montreal haben nun das Schicksal von 132 Patienten nachverfolgt, die innerhalb von 24 Stunden nach einer Bauch-Op nach Hause geschickt worden waren (Surgery 2014; online 20. März).

Im Mittel waren diese 53 Jahre alt. Bei den Eingriffen handelte es sich primär um offene Leistenbruchoperationen (40 Prozent) und laparoskopische Cholezystektomien (28 Prozent).

Patienten mittels Fragebogen befragt

Für die meisten Patienten waren die Ergebnisse zufriedenstellend. So überwogen die Fälle, bei denen sich die Patienten drei Wochen nach der Op hinsichtlich körperlicher Aktivität und gesundheitsbezogener Lebensqualität auf präoperativem Niveau befanden. Nach zwei Monaten lagen die meisten über dem Ausgangsniveau.

Um diese Parameter zu messen, hatten die Forscher zum einen den CHAMPS-Score herangezogen. Das Akronym steht für Community Health Activities Model Program for Seniors. In dem Fragebogen machen die Patienten selbst konkrete Angaben zu einer Reihe von Aktivitäten vom Spazierengehen bis zum Laufsport.

Ein weiterer Maßstab war der Medical Outcomes Study 36-item Short-form Health Survey (SF-36); dieser wird oft zur Beurteilung der postoperativen Genesung herangezogen.

Im SF-36 werden außer der körperlichen Funktion auch Schmerzen, soziale Funktion, geistige Gesundheit, Vitalität und allgemeine Gesundheitswahrnehmung abgefragt.

Niedrigere Werte als zuvor, bezogen auf die körperlichen Kapazitäten (Physical component summary Score des SF-36), hatten nach drei Wochen vor allem ältere Patienten, solche mit einer postoperativen Komplikation und solche mit einer ursprünglich geringeren Lebensqualität in Bezug auf körperliche Parameter.

Oftmals Probleme mit Operationswunde

Allerdings benötigten auch Patienten, die vor dem Eingriff besonders sportlich waren (hohe Werte im CHAMPS-Score), mehr Zeit, um zu ihrer alten Form zurückzufinden.

"Ursprüngliche fittere Patienten setzen sich höhere Ziele; die Wahrscheinlichkeit, diese in einer bestimmten Zeit zu erreichen, ist damit geringer", erklären die Forscher.

Nach zwei Monaten blieben insgesamt 33 Prozent der Patienten mit ihrer körperlichen Aktivität unter dem präoperativen Niveau. Dabei war das Aktivitätsniveau kurz vor der Operation eindeutig prädiktiv.

An Komplikationen traten vor allem Probleme mit der Op-Wunde auf. In erster Linie handelte es sich um leichtere Komplikationen, die sich innerhalb von zwei Monaten gebessert hatten. Trotzdem, man hätte diese wohl in vielen Fällen verhindern können, merken Tran und sein Team an.

Daneben müsse man den Fokus vor allem auch auf Patienten legen, die vor der Operation besonders aktiv waren; gerade diese benötigen offenbar länger, um zum präoperativen Status quo zurückzukehren. (EO)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Patient auf der Strecke

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