Ärzte Zeitung online, 23.12.2014

Gesichtstransplantation

Schädel aus dem 3D-Drucker

Modellschädel unterstützen Chirurgen bei Gesichtstransplantationen. Kosmetisches Ergebnis und Op-Zeit werden damit optimiert. In Boston werden solche Modelle jetzt routinemäßig genutzt - moderne 3D-Drucker machen's möglich.

Von Gabriele Wagner

Schädel aus dem 3D-Drucker

Vor Rekonstruktion und Gesichtstransplantation: 3D-Modell eines Schädels mit Defekten. Das Modell wurde mithilfe eines 3D-Druckers erstellt.

© RSNA | Frank J Rybicki

Schädel aus dem 3D-Drucker

So kommt ein 3D-Schädelmodell aus dem Drucker. Die Daten werden aus Daten einer präoperativen Volumen-CT generiert.

© RSNA | Frank J Rybicki

BOSTON. Nicht von ungefähr haben Radiologen und Chirurgen am US-amerikanischen Brigham and Women's Hospital in Boston die CT- und 3D-Drucker basierten Schädelmodelle entwickelt: Denn dort wurde die nach eignen Angaben landesweit erste komplette Gesichtstransplantation vorgenommen.

Das war im Jahr 2011. Inzwischen wurden in Boston vier weitere komplette Gesichter bei Patienten mit schweren Gesichtsverletzungen transplantiert.

Eine solche Transplantation dauert insgesamt rund 25 Stunden. Es gibt dabei eine besonders kritische Stunde, wenn nämlich die Gefäße des Spendergesichts mit denen des Empfängers verbunden werden.

In dieser Zeit muss komplette Blutleere herrschen. Der kosmetische Erfolg eines solch komplexen Eingriffs wie einer Gesichtstransplantation steht und fällt mit der genauen Planung des chirurgischen Vorgehens.

"Ein echtes Ding in der Hand"

Also lag es nahe, zu versuchen, ein lebensechtes dreidimensionales Schädelmodell des Empfängers zu bekommen.

Denn: "Man kann durch so viele CT-Bilder scrollen, sie drehen und wenden, wie man möchte, aber das ist kein Ersatz für ein echtes Ding in deiner Hand", wie Studienleiter und Radiologe Dr. Frank J. Rybicki aus Boston feststellte.

Für das 3D-Schädelmodell in Lebensgröße werden die präoperativen CT-Sequenzen vom Schädel eines Empfängers zunächst dreidimensional rekonstruiert, und dann wird via 3D-Drucker das Modell erstellt.

Mithilfe eines solchen 3D-Schädelmodells können die Operateure bereits präoperativ genau sehen, wo zum Beispiel Knochendefekte das kosmetische Ergebnis beeinträchtigen könnten.

Und so können die Chirurgen schon genau vorplanen, wie sie solche Knochendefekte - auch mit Blick auf das Spendergesicht - rekonstruieren wollen. Auf diese Weise können intraoperative Korrekturen und Anpassungen minimiert werden, besonders auch in der kritischen Zeit der Blutleere.

Mehr Sicherheit intraoperativ

Die 3D-Modelle werden von den Chirurgen auch gern im OP genutzt, um sich während der gesamten Gesichtstransplantation immer wieder die Anatomie des Empfängers genau anzuschauen.

Das Schädelmodell gebe den Chirurgen eine nie dagewesene Sicherheit während der Transplantation.

Transplantationschirurgen und Radiologen, die bei den fünf Gesichtstransplantationen in Boston beteiligt waren, meinen übereinstimmend, dass die 3D-Schädelmodelle ihnen präoperativ eine bessere Planungsgrundlage liefern, und dass die Anatomie und die Knochendefekte bei den Empfängern besser abgeschätzt werden können. Das verkürze die Gesamt-Op-Zeit.

Option für andere Operationen

Aufgrund der positiven Erfahrungen und weil es auch relativ einfach ist, solche 3D-Modelle herzustellen, werden Gesichtstransplantationen in Boston nur noch mit solchen Schädelmodellen gemacht.

Und: 3D-Modelle könnten zukünftig auch für andere komplexe Operationen hilfreich sein, zum Beispiel bei der Rekonstruktion von Knochendefekten, so der Ausblick der Kollegen.

Die Daten der Studie (Scientific Paper SSG07-03) wurden jetzt bei der 100. Jahrestagung der RSNA (Radiological Society of North America) am 1. Dezember in Chicago präsentiert.

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