Ärzte Zeitung, 25.09.2015

Achillessehnen-Op

Den Gips kann man sich sparen

Stützverband oder Gips? Nach einer Achillessehnen-Operation ist keine komplette Immobilisation nötig. Bei einer frühen Mobilisierung ist das Langzeitergebnis nicht schlechter - aber auch nicht besser.

Den Gips kann man sich sparen

Ein Gipsverband bringt Patienten mit Achillessehnenriss keine Vorteile. Mit Stützverband können die Patienten ihren Alltag besser bewältigen.

© S.A.N. / fotolia.com

OULU/FINNLAND. Gerade bei jungen, aktiven Sportlern wird auch heute ein Achillessehnenriss noch häufig operiert.

Nach dem Eingriff stellt sich dann die Frage, ob und wie lange das Bein ruhiggestellt werden soll. Für die Patienten ist eine möglichst frühe Belastung und Mobilisation von Vorteil, sie sind dann nicht lange krankgeschrieben und können auch ihren Alltag besser bewältigen.

Zudem versprechen sich Ärzte auch ein besseres funktionelles Ergebnis von der frühen Mobilisierung. Letzteres ist aber nicht der Fall, legen die Elfjahresdaten einer randomisiert-kontrollierten Studie nahe (Am J Sports Med 2015; online 30. Juli).

In der Studie sind zwei postoperative Verfahren bei 50 Patienten mit Achillessehnenriss untersucht worden. Alle Patienten waren mit der Kessler-Technik operiert worden.

Die Hälfte erhielt für sechs Wochen einen Gipsverband unterhalb des Knies, wobei der Fuß in einem 90°-Winkel fixiert wurde.

Die übrigen bekamen - ebenfalls unterhalb des Knies - einen semi-rigiden Stützverband. Dieser erlaubte eine freie Plantarflexion des Fußgelenks, behinderte aber die Dorsiflexion. Nach drei Wochen durften die Patienten in beiden Gruppen das Bein vollständig belasten, beide Gruppen erhielten zudem ein Reha-Trainingsprogramm.

Kaum funktionelle Unterschiede

Als Maß für den Erfolg der postoperativen Behandlung verwendeten die finnischen Orthopäden um Dr. Likka Lantto von der Uniklinik in Oulu den Leppilahti-Score.

In diesen fließen Faktoren wie Schmerz, Muskelstärke, Steifheit, isokinetische Wadenmuskelstärke, aber auch die Mobilität und Patienten-bezogene Parameter mit ein. Die Skala reicht von 0 Punkten (sehr schlecht) bis 100 Punkte (optimal).

In den ersten Monaten schnitten die Patienten mit Gips aufgrund der geringeren Mobilität erwartungsgemäß schlechter ab, nach 14 Monaten gab es jedoch kaum noch Unterschiede. Und auch nach elf Jahren zeigten die Patienten mit Gipsverband vergleichbare Werte wie die mit sechswöchigem Stützverband (94 versus 93 Punkte).

Im Einzelnen gab es keine nennenswerten Unterschiede beim Plantarflexionsmoment, egal, bei welchen Winkelgeschwindigkeiten geschaut wurde, auch die isokinetische Wadenmuskelstärke am Fußgelenk war vergleichbar.

Hier hatte sich ein Jahr nach der Operation praktisch nichts mehr verändert, allerdings waren sowohl das Plantarflexionsmoment als auch die Wadenmuskelstärke in beiden Gruppen einige Prozent schwächer als beim gesunden Bein.

Dagegen hatte sich die Stärke der Plantarflexion in beiden Gruppen nach elf Jahren fast vollständig erholt - hier zeigten sich im Vergleich zum nicht operierten Bein nur noch Defizite von knapp über zwei Prozent.

Funktionell, so die Studienautoren, scheint die frühe Mobilisierung auf Dauer nicht viel zu bringen, Vorteile ergeben sich eher aus Sicht der Patienten, die dabei keinen Gips tragen müssen. (mut)

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