Ärzte Zeitung, 08.04.2004

Osteoporose - nach Fraktur ist Schonung der falsche Weg

Muskelschwäche durch Bewegungsmangel erhöht das Risiko für Stürze / Zug- und Druckkräfte der Muskeln fördern die Knochenbildung

HAMBURG (grue). Ein gebrochener Wirbel schmerzt. Deshalb schonen sich Patienten mit Osteoporose häufig und entwickeln dann eine Muskelschwäche, die das Risiko für weitere Stürze erhöht. Dieser Teufelskreis wird durchbrochen, wenn die Muskulatur nach einer Fraktur rasch wieder aufgebaut wird.

Die Rückenorthese für Osteoporose-Patienten aktiviert die Rückenmuskulatur und stärkt die Kraft. Foto: medi bayreuth

Auf den hohen Stellenwert der Sport- und Bewegungstherapie für Osteoporose-Kranke hat die Sportwissenschaftlerin Dr. Bettina Begerow aus Bad Pyrmont in Hamburg hingewiesen. Osteoporose sei keine reine Knochenkrankheit, sondern auch Folge einer Muskelschwäche. "Niedrige Knochendichte und Verlust an Muskelmasse treten immer gleichzeitig auf", sagte Begerow bei der Veranstaltung des Unternehmens medi Bayreuth.

Denn nur wenn die Muskeln genug Zug- und Druckkraft auf die Knochen ausüben, wird neue Knochenmasse gebildet. Fehlt der Muskelstimulus, etwa weil der Patient sich nicht bewegt, schreitet der Knochenschwund weiter fort.

Nach einer Wirbelkörperfraktur sollten die Patienten früh mobilisiert werden, so Begerow. Dazu gehöre eine gute Schmerztherapie und ein schonendes Muskelaufbau-Training, am besten nach einer Leistungsdiagnostik. Trainiert werden sollten Ausdauer, Maximalkraft und Koordination und das Gleichgewicht. Bei schwerer Osteoporose sollte mit einer Gehschulung begonnen werden.

"Eine kräftige Rückenmuskulatur schützt vor weiteren Wirbelkörperfrakturen", sagte Begerow. Das belege eine prospektive Studie mit Frauen in der Postmenopause, die zwei Jahre lang fünfmal pro Woche für je zehn Minuten den Rückenstrecker trainiert haben. Sie hatten nach acht Jahren eine höhere Knochendichte und weniger Wirbelkörperfrakturen als nichttrainierte Frauen.

Als orthopädisches Hilfsmittel zur Stärkung der Rumpfmuskulatur eignet sich auch eine neue Orthese. Sie wurde in Zusammenarbeit mit Pyrmonter Wissenschaftlern für Patienten mit Osteoporose entwickelt. Die Spinomed®-Rückenorthese setzt ein unbewußtes Muskeltraining in Gang, weil nach hinten ziehende Schultergurte einen aufrechten Gang erfordern. In einer kontrollierten Studie verbesserte die Orthese bei Frauen mit multiplen Wirbelfrakturen die Rückenmuskelkraft um 73 Prozent innerhalb von sechs Monaten.

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