Ärzte Zeitung, 13.05.2004

Fluoride sind bei Osteoporose-Kranken weiterhin eine Option

Leitlinien des Dachverbands Osteologie / Die osteoanabolen Substanzen haben sich seit langem in der Therapie bei Knochenschwund bewährt

BOVENAU (ku). Für Patienten mit Osteoporose sind nach den Leitlinien des Dachverbands Osteologie (DVO) außer Kalzium und Vitamin D als Basistherapie Alendronat und Risedronat sowie der selektive Östrogen-Rezeptor-Modulator Raloxifen Medikamente der ersten Wahl. Für manche Patienten können aber auch andere Mittel wie die Hormonersatztherapie (HRT) oder Fluoride geeignet sein.

Lange Zeit war die Zunahme der Knochendichte bei Patienten mit Osteoporose das primäre Behandlungsziel. In den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts habe man zeigen können, daß eine Fluorid-Therapie die Zahl der Osteoblasten vermehrt und die Knochenneubildung fördert, so Professor Hans-Peter Kruse vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf bei einem von der Strathmann AG organisierten Expertengespräch im Herrenhaus Kluvensiek.

Aber die Knochendichte korreliert nicht unbedingt mit der Frakturrate, die heute als primäres Behandlungsziel gilt. Deshalb sind Studien zur Wirksamkeit von Osteoporose-Medikamenten jetzt ganz anders aufgebaut, unter anderem werden große Patientenzahlen benötigt, denn Frakturen sind relativ seltene Ereignisse.

In solchen Studien haben die Bisphosphonate Alendronat und Risedronat sowie Raloxifen die Frakturraten im Vergleich zu Placebo signifikant gesenkt. Sie sind deshalb nach den DVO-Leitlinien erste Wahl zur Behandlung bei Osteoporose.

Gut mit Studien belegt ist auch der Nutzen der HRT bei Frauen in der Postmenopause mit Osteoporose. So ist etwa in der Women’s Health Initiative (WHI)-Studie nachgewiesen worden, daß eine HRT die Frakturrate bei Frauen in der Postmenopause deutlich senkt. Aufgrund der Risiken einer solchen Therapie, etwa der erhöhten Brustkrebs-Rate, sollten Nutzen und Risiko mit den Patientinnen besprochen und sorgfältig abgewogen werden, bevor die Behandlung begonnen werde, empfahl Kruse.

Daß die Fluoride in den DVO-Leitlinien als Reservemedikamente gelten, sage nichts über ihre Wirksamkeit aus, so Kruse. Es bedeute vielmehr, daß die Wirksamkeit der in der Osteoporose-Therapie schon seit langem bewährten Fluoride weniger gut durch moderne Studien belegt ist.

Aufwendige, nach neuesten Kriterien angelegte Studien für die preiswerten Fluoride zu machen, lohne sich für die Hersteller jedoch nicht. Das Unternehmen Strathmann bietet mit Ossofortin® plus ein Produkt an, das Kalzium, Vitamin D und Natriumfluorid enthält.

Ebenfalls osteoanabol wirke das erst im vergangenen Jahr in Deutschland eingeführte Teriparatid, ein rekombinantes Parathormonfragment. Bei Patienten mit schwerer Osteoporose, wenn die Knochenstruktur schon erheblich geschädigt sei, könne auch die sequentielle Gabe von osteoanabolen und antiresorptiven Medikamenten sinnvoll sein, meinte Kruse.

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