Ärzte Zeitung, 05.08.2004

Sequentielle Therapie könnte Knochensubstanz langfristig erhalten

Neue Optionen bei Osteoporose werden geprüft / Gleichzeitige Anwendung von Antiresorptivum und anaboler Substanz verspricht wenig Erfolg

RIO DE JANEIRO (miz). Ist die gleichzeitige oder sequentielle Anwendung einer osteoanabolen Substanz und eines Antiresorptivums bei Osteoporose sinnvoll? Die antiresorptive Substanz könnte den Knochenzuwachs erhalten, die Mineralisation des Knochens fördern und eventuell den Frakturschutz erhöhen, meinen Spezialisten.

Ob eine solche Therapie tatsächlich mehr Frakturen verhindert als die bisherigen Konzepte, läßt sich derzeit noch nicht sagen, wie auf dem World Congress on Osteoporosis der International Osteoporosis Foundation in Rio de Janeiro deutlich geworden ist.

Die gleichzeitige Anwendung einer osteoanabol wirkenden Substanz und eines Antiresorptivums läßt bisher allerdings wenig hoffen: So bietet etwa die Kombination des osteoanabol wirkenden Parathormons Teriparatid mit dem Bisphosphonat Alendronat im Vergleich zu den beiden Einzelsubstanzen keinen Vorteil, wie Professor Stefano Adami aus Verona in Italien berichtet hat. Das sei in klinischen Studien belegt worden.

Einige Wissenschaftler wie Professor Steve Cummings aus San Francisco im US-Bundesstaat Kalifornien favorisieren die sequentielle Anwendung einer osteoanabolen Substanz und eines Antiresorptivums: Mit dem Osteoanabolikum werde zunächst neue Knochensubstanz aufgebaut und anschließend mit einem Antiresorptivum die erreichte Knochensubstanz erhalten, so die Vorstellung. Daß dieses Konzept funktioniert, ist nach Angaben von Adami bereits mit Parathormon und dem selektiven Östrogen-Rezeptor-Modulator (SERM) Raloxifen als Folgemedikament untersucht worden, und zwar mit "extrem guten Ergebnissen".

Geht es eventuell auch umgekehrt, also zunächst die Anwendung eines Antiresorptivums gefolgt von der osteanabol wirkenden Substanz? Nach Einsatz von Bisphosphonaten ist die Osteoklastenaktivität so stark unterdrückt, daß Parathormon zumindest im ersten Jahr nicht seine volle anabole Wirkung entfalten kann.

Erkennbar wird dies daran, daß die Marker für den Knochenumbau beim Wechsel etwa von Alendronat auf Teriparatid weniger stark ansteigen als bei nicht antiresorptiv vorbehandelten Patienten. Nach Gabe eines SERM oder nach Hormonersatztherapie ist dies nicht der Fall. Allerdings fehlen für die Abfolge Parathormon nach Antiresorptivum noch jegliche Frakturdaten.

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