Ärzte Zeitung, 20.10.2004

Männer mit Osteoporose haben oft Hyperkalzurie

Behandlung mit Thiazid-Diuretikum oder Bisphosphonat hilft weiter / Häufig auch hohe Gesamt-Cholesterinwerte

Bei Männern mit Osteoporose gibt es einige Besonderheiten zu beachten, was Risikofaktoren, Diagnostik und Therapie bei dieser Knochenkrankheit betrifft. Bei knapp zehn Prozent dieser Patienten läßt sich eine Hyperkalzurie als Ursache des Knochenschwunds feststellen. Männer haben häufig eine sekundäre Osteoporose.

Risikofaktoren für Osteoporose
  • Positive Familienanamnese
  • vorhergehende Frakturen der Wirbelsäule
  • niedriges Körpergewicht (BMI unter 20 kg/m2)
  • hohes Sturzrisiko
  • Abnahme der Körpergröße um mehr als 4 cm
  • Alkoholkrankheit
  • Behandlung mit Antiepileptika
  • Diabetes mellitus Typ 1
  • Kortikoid-Dauermedikation,
  • fortgeschrittene Niereninsuffizienz
  • langdauernde Hyperthyreose
  • Sprue-Syndrom
  • Zustand nach Magenentfernung
  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
  • Hormonstörungen
  • Zustand nach Organtransplantation
  • langdauernde Immobilisierung, etwa durch Bettruhe oder Gips
Tabelle: ÄRZTE ZEITUNG
Auch Typ-1-Diabetes und Hyperthyreose erhöhen das Risiko für Osteoporose.
Patient mit einem für Osteoporose typischen Rundrücken. Foto: Klaus Peters

Männer mit Osteoporose sind im Durchschnittt jünger als Frauen mit dieser Krankheit. Nicht selten trifft es bereits Männer zwischen 40 und 50 Jahren. "Das liegt möglicherweise auch daran, daß sich viele junge Männer heutzutage sowohl im Berufsleben als auch im Privatleben relativ wenig bewegen", meint Dr. Jutta Semler, erste Vorsitzende des Kuratoriums Knochengesundheit.

Die Hauptrisikofaktoren der Osteoporose bei Männern sind ähnlich wie bei den Frauen, etwa ein niedriges Körpergewicht (BMI unter 20 kg/m2), Knochenbrüche nach Niedrigenergie-Traumata sowie eine langfristige Kortikoidtherapie, etwa wegen einer rheumatoiden Arthritis. Nicht selten ist ein Knochenschwund bei Männern aber auch auf einen Hypogonadismus zurückzuführen.

Eine weitere Besonderheit bei Männern mit Osteoporose: Bei knapp zehn Prozent dieser Patienten läßt sich eine Hyperkalzurie als Ursache des Knochenschwunds feststellen. "Eine Behandlung mit Kalzium und Vitamin D hilft hier nicht weiter, wohl aber Medikamente, die diesen Kalziumverlust stoppen können, etwa Thiazid-Diuretika", sagte Semler zur "Ärzte Zeitung". Hiermit ließe sich die Kalziumausscheidung im Urin wieder normalisieren.

Die Dosierung des Diuretikums sollte sich individuell nach dem Blutdruck der Patienten richten. Behandelt werden sollte täglich oder je nach Blutdruck nur zwei- bis dreimal pro Woche, zunächst über zwei bis drei Jahre. Dann sollte die Knochendichte kontrolliert werden. Bei zu niedrigen Werten sollte die Therapie fortgesetzt werden. Bei Patienten mit relativ niedrigem Blutdruck, etwa systolischen Werten von 120 bis 130 mmHg, sei eine Behandlung mit einem Bisphosphonat zu bevorzugen.

Männer mit Osteoporose haben häufig gleichzeitig eine stark ausgeprägte Fettstoffwechselstörung, sagte Semler. "Diese Patienten haben meist Gesamtcholesterin-Werte über 280 mg/dl." Möglicherweise kommt es durch die Fettstoffwechselstörung zu einer Mangeldurchblutung am Knochen. Bei hohen Cholesterinwerten sollte daher auch an eine Osteoporose gedacht werden.

Besteht bei einem Mann Verdacht auf Osteoporose, sollte wie bei Frauen zunächst die Knochendichte gemessen werden, so Semler. Standardmethode hierfür ist die DXA (Dual Energy X-ray Absorptiometry)-Methode. Eine Osteoporose liegt vor, wenn die Knochendichte mindestens 2,5 Standardabweichungen unterhalb der Knochendichte eines jungen Erwachsenen liegt. Da viele Männer eine sekundäre Osteoporose haben, sollten auch Labortests gemacht werden, um etwa Schilddrüsen- oder Nierenkrankheiten, entzündliche Erkrankungen oder einen Testosteronmangel nicht zu übersehen. (ikr)

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