Ärzte Zeitung, 09.03.2005

Osteoporose-Leitlinien werden bald aktualisiert

Neue Substanzen werden dabei berücksichtigt

BASEL (KHS). In allen Ländern, die Osteoporose-Leitlinien erstellt haben, bestehen erhebliche Diskrepanzen zwischen den jeweiligen Empfehlungen und der tatsächlichen Versorgung der Osteoporose-Kranken.

Das hat Professor Johannes Pfeilschifter beim Kongreß "Osteologie 2005" in Basel berichtet. Zusammen mit den Leitlinien des Dachverbandes Osteologie (DVO), so der Chefarzt des Evangelischen Krankenhauses Lutherhaus in Essen, seien in den vergangenen fünf Jahren 15 Leitlinien zur Osteoporose in insgesamt zehn Ländern entwickelt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.

Diese Länder seien die Schweiz, Schweden, England, Schottland, die USA, Kanada, Australien, Südafrika, Singapur und Deutschland. Die Mehrzahl der Leitlinien seien in multidisziplinären Arbeitsgruppen erstellt worden. Nach Angaben von Pfeilschifter betonen alle Leitlinien die Notwendigkeit, Osteoporose-Kranke mit Kalzium und Vitamin D zu behandeln.

Die meisten Leitlinien legten den behandelnden Ärzten außerdem nahe, den Patienten körperliche Aktivität zu empfehlen sowie das Risiko abzuklären, daß die Patienten stürzen könnten. Fünf der Leitlinien warnten vor Untergewicht.

In den Empfehlungen zur spezifischen medikamentösen Osteoporose-Therapie nehmen die beiden Bisphosphonate Alendronat und Risedronat sowie der selektive Östrogen-Rezeptor-Modulator Raloxifen die Spitzenplätze ein, wie Pfeilschifter berichtet hat.

Das Parathormonfragment Teriparatid und Strontiumranelat seien bei der Erstellung der meisten Leitlinien noch nicht verfügbar gewesen. Die Erstfassung der DVO-Leitlinie wurde im März 2003 verabschiedet, eine aktualisierte Version, die dann auch neuere Substanzen berücksichtige, werde bis Mitte 2005 entwickelt sein und zur externen Evaluation auf die Leitlinien-Homepage gestellt werden.

Pfeilschifter: "Wir sind guter Dinge, daß wir im Sommer dieses Jahres eine vollmundige aktualisierte Version ins Netz stellen können, die dann noch diskutiert werden muß."

Die Aktualisierung der DVO-Leitlinie beruhe auf der systematischen Literaturrecherche von etwa 1500 osteologischen Artikeln der vergangenen zwei Jahre. In der medizinischen Datenbank Medline könne auf 30  000 Artikel zugegriffen werden, wovon wiederum gut 1000 genau gelesen und analysiert werden müßten.

Pfeilschifter legte Wert auf die Feststellung, daß die DVO-Leitlinie nicht nur das abbilde, "was da ist", sondern proklamiere, "was wir wollen, daß es machbar ist". Die Philosophie des DVO sei, die beste und vernünftigste Therapie zu empfehlen, unabhängig davon, ob diese Therapie aus der eigenen Tasche bezahlt werden müsse.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gefahr im Vekehr oder alles im grünen Bereich?

Patienten, die Cannabispräparate in Dauermedikation haben, dürfen am Straßenverkehr teilnehmen. Eine wissenschaftliche Debatte über ein erhöhtes Verkehrssicherheitsrisiko wurde noch nicht geführt. mehr »

Frau hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld

Hat eine Frau Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn ein Arztfehler zu Impotenz des Mannes führt? Das OLG Hamm verneint – und gibt eine Begründung. mehr »

Tausende Pfleger ergreifen die Flucht

Großbritannien gehen die Pflegekräfte aus: Zu groß ist die Unzufriedenheit mit dem System. Sie zeigt sich zunehmend auch bei Patienten. mehr »