Ärzte Zeitung, 29.03.2005

Mit Alendronat sind Rückenschmerzen seltener

Bisphosphonat-Therapie kann den Teufelskreis von Schmerz, Bewegungsmangel und Knochenabbau durchbrechen

BASEL (KHS). Es ist nie zu spät, bei Osteoporose das Frakturrisiko mit antiresorptiven Bisphosphonaten zu vermindern. Gleichgültig, ob die Therapie bereits begonnen wird, wenn erst eine verminderte Knochendichte festgestellt worden ist, oder wenn bereits mehrere Frakturen aufgetreten sind: Für jedes Stadium der Osteoporose wurde ein positiver Effekt für die Patienten nachgewiesen.

Darauf hat Professor Johann Ringe vom Klinikum Leverkusen hingewiesen. Alendronat (Fosamax®) etwa senke das Frakturrisiko von Patienten mit niedriger Knochendichte um 44 Prozent und nach bereits eingetretenen Brüchen um 47 Prozent im Vergleich zu Placebo.

Dies gelte sowohl für Wirbelkörperfrakturen als auch für extravertebrale Frakturen, besonders für Schenkelhals- und Unterarmbrüche, hat Ringe bei einem Satelliten-Symposium vom Unternehmen MSD beim Kongreß "Osteologie 2005" in Basel berichtet.

Die FIT (Fracture Intervention Trial)-Studie erlaube auch Aussagen zur schmerzlindernden Wirkung des Bisphosphonats, sagte Ringe. So habe sich herausgestellt, daß die Zahl der Patienten, die im Untersuchungszeitraum wegen Rückenschmerzen mehr als sieben Tage das Bett hüten mußten, mit Alendronat um 54 Prozent niedriger war als mit Placebo. Demnach ermögliche es die moderne Bisphosphonat-Therapie bei vielen Patienten, den Teufelskreis von Schmerz, Bewegungsmangel und Knochenabbau zu durchbrechen.

In einer Studie wurden bei 88 Patientinnen, die zwei bis drei Jahre mit Alendronat behandelt worden sind, Beckenkamm-Biopsien entnommen und mit der zweidimensionalen Histomorphometrie sowie mit dem dreidimensionalen Micro-CT untersucht. Dabei habe sich gezeigt, daß die zwei- und dreidimensionale Auswertung miteinander korrelierten, also eine Beziehung zwischen dem Gesamtvolumen des Knochens zu Anzahl und Dicke der Trabekel bestand, so Ringe.

Der Osteoporose-Experte zog daraus den Schluß, daß Knochendichtemessungen offenbar doch nicht so schlecht seien, wie oft angenommen werde. "Sicher ist das nicht die ganze Wahrheit", sagte Ringe, denn Strukturparameter wären tatsächlich wünschenswert, doch sei die Knochendichtemessung die beste praktikable Untersuchungsmethode, die zur Zeit verfügbar ist, sowohl für die Festigkeit der Knochen und damit auch für das Frakturrisiko.

Nach Angaben von Ringe gelingt mit den modernen Amino-Bisphosphonaten eine rasche Stabilisierung der Knochen-Mikroarchitektur.

Hierzu trügen mehrere Faktoren bei: die signifikante relative Erhöhung des Knochenvolumens und der Trabekelzahl, die nichtsignifikante, aber als Trend erkennbare relative Erhöhung der Trabekeldicke und die Mineralisation des Knochens. Letztere sei in der Untersuchung nicht signifikant, wenn auch tendenziell feststellbar gewesen. Das verdeutliche, daß es selbst nach dreijähriger Alendronat-Therapie "gar nicht so schrecklich ist mit der angeblichen Übermineralisation".

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