Ärzte Zeitung, 06.04.2005

Verdacht auf Osteoporose wird oft nicht geklärt

Studie zur Versorgung nach Hüftgelenksfraktur / Jeder Vierte hatte zuvor schon einen anderen Knochenbruch gehabt

WIESBADEN (ts). Um genaue Kenntnisse der Versorgungsrealität zu gewinnen, "brauchen wir mehr Register und eine bessere wissenschaftliche Auswertung", hat der Hamburger Wissenschaftler Professor Karl Wegscheider gefordert (wir berichteten). Ein Beispiel dafür, was gute Versorgungsforschung leisten kann, ist eine Studie zur Versorgungssituation nach Hüftgelenksfrakturen.

Die wichtigsten Ergebnisse dieser Untersuchung: Die Chancen zur Prävention werden nicht ausreichend ausgeschöpft, der Verdacht auf Osteoporose wird meist nicht geklärt, Medikamente sowie Strategien, um die Mobilität der Patienten zu steigern, werden viel zu wenig genutzt.

Vorgestellt hat die Studie Professor Ludger Pientka bei einer MSD-Veranstaltung beim Internisten-Kongreß in Wiesbaden.

Für die Studie wurden die Daten von etwa 16 000 Patienten (aus etwa 400 Akut- und Reha-Kliniken) mit hüftgelenksnahen Frakturen oder Unterarmfrakturen ausgewertet. Die Daten wurden zwischen April 2002 und Mai 2003 erhoben.

Gesinterte Wirbelkörper hatten viele Kranke schrumpfen lassen

Wie der Wissenschaftler vom Klinikum der Ruhr-Universität bei der Veranstaltung zum Thema "Versorgungsforschung" berichtete, hatten viele der Patienten Risikofaktoren für eine Osteoporose und damit für osteoporotische Frakturen: Etwa ein Viertel hatte vor der aktuellen Fraktur bereits andere Knochenbrüche, jeder fünfte Patient war, bedingt durch Sinterung mehrerer Wirbelkörper, kleiner geworden - im Mittel um 4,3 Zentimeter.

Bei Klinik-Entlassung waren adäquate Therapien selten

Bei über der Hälfte der Patienten wurde der Verdacht auf eine Osteoporose gestellt, die Verdachtsdiagnose aber dennoch bei etwa 95 Prozent nicht mit Hilfe einer Knochendichtemessung geklärt. Eine adäquate Osteoporose-Therapie erhielten bei Entlassung aus der Akut-Klinik nur 14 Prozent.

Sieben Monate später, so Pientka, sei die Medikation wieder genauso schlecht gewesen wie vor der Fraktur. Übrigens: Bei etwa 3,5 Prozent der Patienten trat in der Nachbeobachtungszeit von sieben Monaten erneut eine Fraktur auf.

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