Ärzte Zeitung, 06.05.2005

Vitamin D ist in der Osteoporose-Therapie unverzichtbar

Vitamin-D-Mangel ist bei Frauen in der Postmenopause weit verbreitet / Fixe Kombination mit Bisphosphonat könnte Versorgung verbessern

HAMBURG (djb). "Erst allmählich beginnen wir zu verstehen, wie wichtig die ausreichende Versorgung mit Vitamin D bei der Osteoporose-Therapie ist", sagt Professor Walter Schunack vom Institut für Pharmazie der FU Berlin. Vitamin-D-Mangel ist bei Frauen nach der Menopause nach neuen Studiendaten weit verbreitet.

Vitamin D3 beziehungsweise das biologisch aktive Calcitriol ist für die intestinale Resorption von Kalzium essentiell. Ein Mangel erhöht zudem die Freisetzung von Parathormon und damit auch die Knochenresorption. Die klinische Konsequenz: Vitamin-D-Mangel erhöht das Knochenfrakturrisiko.

Das Vitamin sei bei Osteoporose daher unverzichtbar, so Schunack. Ein Fraktur-senkender Effekt von Vitamin-D-Präparaten in Kombination mit Kalzium ist vor allem bei älteren, wenig mobilen Patienten in Studien nachgewiesen. In den DVO-Leitlinien (Dachverband Osteologie e.V.) zu Osteoporose wird eine Basistherapie mit 400 bis 800 IE Vitamin D und 500 bis 1000 mg Kalzium täglich empfohlen.

Nur wenige Lebensmittel, etwa fette Fischsorten wie Hering oder Lachs, enthalten Vitamin D3 in nennenswerten Mengen. Die Aufnahme über die Nahrung beträgt weniger als 100 IE am Tag. Eine US-Studie zur Prävalenz des Vitamin-D-Mangels bei Frauen in der Postmenopause mit Osteoporose hat ergeben, daß selbst in sonnenreichen Gebieten fast ein Viertel der Frauen einen Mangel an diesem Vitamin hat.

Von insgesamt 1536 Frauen mit Osteoporose im durchschnittlichen Alter von 71 Jahren waren über die Hälfte unzureichend mit Vitamin D versorgt. Eine weitere Studie hat gezeigt, daß 97 Prozent der Frauen, die wegen einer nicht-traumatischen Fraktur stationär behandelt wurden, unter dem Richtwert von 30 ng/ml Vitamin D lagen. Und: Von 531 Bewohnerinnen eines Wiener Pflegeheims wiesen über 80 Prozent eine Vitamin-D3-Konzentration unter 5 ng/ml auf.

Wie Schunack bei einer Tagung von MSD in Hamburg berichtete, ist in den USA ein Kombipräparat auf den Markt gekommen, das 70 mg Alendronat (Fosamax® Wochentablette) plus 2800 IE Vitamin D3 enthält. Das entspricht einer Vitamin-D-Zufuhr von je 400 IE täglich. Die Versorgung von Osteoporose-Kranken könnte so optimiert werden, hofft Schunack. Die EU-Zulassung für das neue Präparat wurde beantragt.

STICHWORT

Vitamin D

Vitamin D und seine Metaboliten erhöhen die intestinale Kalziumabsorption, fördern die Entwicklung der Knochenzellen und sind praktisch unverzichtbar für die Mineralisierung der Knochengrundsubstanz. Vitamin D wird in der Haut synthetisiert, und zwar unter dem Einfluß der ultravioletten Sonnenbestrahlung, und wird danach in der Leber und in den Nieren in die eigentlich wirksame Form umgewandelt.

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