Ärzte Zeitung, 27.09.2005

Behandlung mit Strontium stärkt die Knochenstruktur

Schutz vor Frakturen läßt sich anhand des verbesserten Knochenaufbaus erklären / Zahl der Trabekel nimmt zu / Ergebnisse aus Tierversuchen

DRESDEN (gvg). Die Therapie mit Strontiumranelat erhöhte bei Ratten Zahl und Dicke der Knochentrabekel und optimierte damit die Festigkeit des Knochens. Der klinisch nachgewiesene Schutz vor Frakturen unter der Substanz läßt sich somit wahrscheinlich durch günstige biomechanische Effekte erklären.

Diese Effekte des Strontiumranelats (Protelos®) sind zurückzuführen auf Kalzium-ähnliche Effekte am Knochen sowie auf eine Anlagerung von Strontium an die Kollagenfibrillen, also einen Einbau der Strontium-Ionen in den Knochen.

In einer großen Versuchsreihe, über die Professor Dieter Felsenberg von der Charité Berlin auf dem Dresdner Rheumatologen-Kongreß berichtet hat, wurden 120 Ratten zwei Jahre lang mit einer Strontium-haltigen Diät gefüttert. Im Anschluß wurden die Knochen biomechanisch getestet und histologisch untersucht.

Der Serumgehalt von Strontium bei den Ratten entsprach in etwa dem, was auch bei Menschen erreicht wird, die mit zwei Gramm täglich behandelt werden. "Wir konnten zeigen, daß die Zahl der Trabekel zunimmt und das Trabekelvolumen und die Trabekeldicke steigt", so Felsenberg auf der vom Unternehmen Servier unterstützten Veranstaltung.

Das spiegelte sich biomechanisch in einer erhöhten Festigkeit gegenüber von außen einwirkenden Kräften wider. So konnte der Knochen der mit der Höchstdosis Strontium gefütterten Ratten im Kompressionstest um ein Fünftel stärker belastet werden, bevor er schließlich brach.

Bei diesem Test wirkt die Kraft gleichmäßig von einer Seite ein. Beim Drei-Punkt-Test, bei dem die Biegefestigkeit der Knochen untersucht wird, waren die Knochen behandelter Tiere im Mittel um 15 Prozent deutlich belastbarer.

Felsenberg geht davon aus, daß die in klinischen Studien beobachtete Senkung der Rate an vertebralen und nicht-vertebralen Frakturen bei Patienten mit Osteoporose unter einer Behandlung mit Strontium durch analoge Effekte am menschlichen Knochen erklärt werden kann.

Künftig könnte das vielleicht auch direkt belegt werden: Neue Computertomographie-Verfahren werden derzeit entwickelt, die zumindest an einigen Stellen des Skeletts eine Auswertung der Trabekel-Architektur auch bei Menschen in vivo ermöglichen.

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