Ärzte Zeitung, 08.02.2007

Nach Fraktur brauchen auch Männer eine Osteoporose-Therapie

Das Risiko eines zweiten Knochenbruchs ist für alte Männer und Frauen gleich hoch

SYDNEY (ars). Alte Männer, die bei einem Sturz ohne hohe Krafteinwirkung einen Knochenbruch erlitten haben, brauchen danach ebenso dringend eine Osteoporose-Therapie wie gleichaltrige Frauen. Das bestätigt eine australische Studie. Denn nach einer Fraktur ist das Risiko eines erneuten Bruchs bei beiden Geschlechtern gleich hoch.

Mann mit einem für Osteoporose typischen Rundrücken. Auf den ersten Bruch folgt oft ein zweiter. Foto: Peters

Je etwa einem Drittel von ihnen passiert im Jahrzehnt nach der Fraktur wieder ein solcher Unfall. Alte Männer haben zwar bekanntlich ein geringeres Risiko für osteoporotische Knochenbrüche als alte Frauen. Das gilt allerdings nur, wenn es bei ihnen noch nicht zu einem derartigen Trauma gekommen ist. Hat sich aber bereits eine Fraktur ereignet, dann steigt das relative Risiko für einen zweiten Bruch bei den Frauen um das Doppelte, bei den Männern sogar um das 3,5-fache.

Etwa jeder dritte Mann erlitt eine erneute Fraktur

Diese unterschiedlichen Werte haben zur Folge, dass sich die absoluten Risiken für Männer und Frauen einander angleichen: Für Frauen beträgt es dann 62, für Männer 57 auf 1000 Personen pro Jahr.

Herausgefunden haben das Dr. Jacqueline Center und ihre Kollegen von der Universität Sydney. Ungefähr 16 Jahre lang begleiteten sie 905 Frauen und 337 Männer im Alter über 60 Jahre, die eine Fraktur erlitten hatten, mit Befragungen und medizinischen Untersuchungen (JAMA 297, 2007, 387).

Bei insgesamt 253 Frauen und 71 Männern kam es in den folgenden zehn Jahren aus geringfügigem Anlass zu einer zweiten Fraktur. Am größten war die Gefahr gleich in dem Jahr, das dem ersten Knochenbruch folgte. Anschließend fiel das Risiko ab, bis es zehn Jahre später wieder auf ähnlichem Stand war wie bei den Probanden, die sich noch nichts gebrochen hatten.

Bewegung und Kalzium sind für Männer besonders wichtig

Entscheidende Kriterien für eine erneute Fraktur waren bei Frauen die Knochendichte des Femurs, Alter und Rauchen, für Männer ebenfalls die Knochendichte des Femurs, Bewegung und Kalziumaufnahme.

Brüche nach geringfügigem Trauma (Niedrig-Energie-Frakturen) sind ein Signal für Osteoporose, erinnerte Center. Allerdings erhalte nur ein Drittel der Frauen in der Postmenopause und ein Zehntel der gleichaltrigen Männer nach einem ersten Knochenbruch eine Osteoporose-Behandlung. Den Studiendaten zufolge brauchten aber die Männer einen solchen Schutz ebenso dringend wie die Frauen. In jedem Fall sei es wichtig, sofort damit zu beginnen und die Sturzprophylaxe keinesfalls hinauszuzögern.

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